Uber die Tätigkeit des Hörorgcins bei den Vögeln. 411 Erörterung der akustischen Tätigkeit der Organe des Vorhofes, und zwar beim Menschen, die Erörterung der hierher gehörigen Fragen behalte ich indes einer weiteren Arbeit vor. Die akustische Funktion der Vorhofsorgane ist bei Säugern, Vögeln experimentell erwiesen worden durch Ewald, Bernstein, Matte u. a. — Hensen, Denker haben ihre Bedenken geäufsert, ob die kleine Vogelschnecke imstande sei, das sehr umfangreiche Tongehör dieser Klasse zu erklären. Ebenso liegt der Fall bei den Unken, die sehr melodische, fernem Glockenläuten ähnliche Töne und zwar, wie ich mich selbst öfter überzeugt habe, i n verschiedenen Höhenlagen hervorbringen. Zur Erzeugung solcher Töne ist, als Kon troll apparat für die Tätigkeit der notwendigen Muskeln, die genaue Aufnahme der Töne im Gehirn, ihre Wahrnehmung erforderlich. Die winzige Schnecke dürfte für diese Tätigkeit schwerlich genügen, die einen nicht unbe¬ trächtlichen Teil der Skala zu umfassen hätte. Die akustische Erregung der Vogelschnecke und der Maculae zeigt weitreichende Übereinstimmung. Der Typ der Vogelschnecke ist ein Mittelglied zwischen der Säugetierschnecke und den Maculae. In dem Erregungsmechanismus der Vogelschnecke finden sich Momente, die auch für die Säugerschnecke Geltung haben. Ich fasse das Endergebnis hinsichtlich der Erregungsart der Schnecke und der Maculae vestibuli und Lagenae durch Schall zusammen, wie folgt: Die direkte Ursache zur Reizung aller der genannten Organe ist zu suchen in Umgestaltung und Verschiebung der Deckhaut während der -f-I Phasen, wodurch die Hörzellen mittels der von ihnen ausgehenden Borsten — unter jeweils bestimmten Be¬ dingungen — gereizt werden. Die Deckhautumgestaltung wird veranlafst durch Differenzen zwischen dem auf der Deckhaut und seitlich von ihr lastenden Drucke. Im einzelnen Schneckenquerschnitt werden Druckdifferenzen erzeugt durch Biegung der Grundhaut. Jeder Schneckenquerschnitt dient zur Wahrnehmung von Tönen verschiedener Höhe ; andererseits vertieft sich im gleichen Papillenbezirk die Tonempfindung vom Vorhofe nach der Lagena zu. Die Schnecke dient zur Wahrnehmung hoher und mittlerer, die Macula lagenae zu der tiefer Töne.