198 Über ein subjektives optisches Phänomen bei der Betrachtung gestreifter Flächen. Von Dr. Humbert Roulett in Salzburg. Mit 1 Tafel und 2 Figuren im Text. Durch Zufall kam mir ein Stück Wachsleinwand zu Gesicht, mit dem in einem Gastlokal in Prag ein Stück einer Banklehne in der Breite des Sitzes für eine Person austapeziert war. Das Muster der Leinwand war ein sehr einfaches; es bestand aus gleichmäfsigen blauen und weifsen Streifen. Ich bemerkte bei längerem Betrachten des Musters an diesem Objekt zuerst das Phänomen, welches im folgenden beschrieben werden soll. Es war in dem Lokal schon bekannt, dafs man nicht lange der Leinwand gegenübersitzen könne, ohne unangenehme und sonder¬ bare Empfindungen im Auge zu bekommen. Um die Sache näher studieren, die Stellung des Musters und die Beleuchtung variieren zu können, verschaffte ich mir ein der gesehenen Wachsleinwand möglichst ähnliches Stück, an dem die folgenden Beobachtungen ausgeführt sind. Die Wachsleinwand ist von rechteckiger Gestalt 116 cm lang und 65 cm breit. Das Muster besteht aus blauen und weifsen parallelen Streifen, von je 4 mm Breite. Wenn man die Leinwand so aufhängt, dafs eine Seite des Rechteckes horizontal verläuft, so ziehen die Streifen schief im Winkel von 45 0 über die Fläche hin. Hängt man die Leinwand vertikal mit Reifsnägeln an die Wand und betrachtet sie aus etwa 2 Meter Entfernung bei guter Beleuchtung mit einem Auge, während man das andere mit der Hand bedeckt, so sieht man in den ersten Sekunden das Muster vollkommen scharf ohne jede störende Nebenempfindung. Bald