153 Die Reflexerregbarkeit des Ohrlabyrinthes am menschlichen Neugeborenen. Von Dr. G. Alexander* a. o. Professor an der k. k. Wiener Universität. Vorstand der Ohrenabteilung der allgemeinen Poliklinik in Wien. Die Reflexe des Neugeborenen sind wiederholt zum Gegen¬ stände eingehender Untersuchungen gemacht worden. Es hat sich ergeben, dafs in mancher Beziehung die Reflexerregbarkeit des Neugeborenen von der des Erwachsenen wesentlich ver¬ schieden ist. So erscheinen die Sehnenreflexe, die schon beim Frühgeborenen aus¬ lösbar sind (insbesondere der Partellar-Sehnenreflex) vom 2. Lebensmonate bis ins 2. Lebensjahr hinein durchschnittlich lebhafter als beim gesunden Erwachsenen (Pfister). Auch die Bauchhautreflexe, die bei Kindern in der ersten Lebenswoche allerdings oft vermifst werden, sind beim älteren Säugling wie der Fufssohlenreflex relativ stark. Bis zum 6. Lebensmonat ist weiter das Vorhandensein des BABiNSKischen Reflexes, der beim Er¬ wachsenen eine pathologische Erscheinung ist, in dieser Periode des unvoll¬ kommenen Grofshirneinflusses, normal. Auch Oppenheims Unterschenkel- Phänomen kommt bei gesunden Säuglingen vor (Pfister). Der reflektorische Lidschlufs ist an reifen Neugeborenen bereits nach¬ weisbar. Dagegen fehlt der optische Blinzelreflex am Neugeborenen und an Säuglingen mitunter bis zur 6.-8. Woche.1 Die Lichtreaktion der Pupille ist bereits am Neugeborenen zu konstatieren. Die Konvergenz¬ verengerung und die Psychoreflexe der Pupille sind dagegen nicht vor Ablauf der 4. Woche bzw. des 3. Monats vollständig deutlich. In der Abhandlung von Preyer wird die Entwicklung des Hörver¬ mögens während der ersten Lebenswochen ausführlich behandelt. Preyer findet an seinem eigenen Kinde eine unzweifelhafte motorische Reaktion (plötzliches Aufschlagen der halbgeschlossenen Augen) nicht vor der ersten Hälfte des 4. Tages. Preyer erwähnt, dafs das Offenhalten der Augen selten von längerer Dauer ist. „Neugeborene halten die Augen mehr ge- 1 cit. nach Pfaundler-Schlossmann. Zeitschr. f. Sinnesphysiol. 45. 10