Zur Kenntnis der negativen Bewegungsnachbilder. 433 Herr Dr. Stigler und Herr Castagna, welche gelegentlich in meinem Versuchszimmer anwesend waren, sahen die Bewegung jedoch niemals ganz sistiert, sondern sie nur in eine langsamere und weniger deutliche Bewegung übergehen. Hält man während der Seitwärtsdrehung des Kopfes plötzlich still, so erscheint das Bewegungsnachbild abermals. Bewege ich aber den Kopf in der Bahn eines in der Hori¬ zontalebene gelegenen Kreisbogens, dessen Zentrum das Visier¬ zeichen ist, so dafs die Medianebene des Kopfes stets im Visier¬ zeichen bleibt (d. h. die Augen ruhen in der Orbita), so sehe ich das Bewegungsnachbild noch, aber mit recht geringer Deutlichkeit. Dies lehrt, dafs Bewegungsnachbilder durch die Tätigkeit der Augenmuskeln und Skelettmuskeln ganz oder teilweise zum Erlöschen gebracht werden. Zusammenfassung. 1. Das Phänomen des Bewegungsnachbildes wird nicht nur bei bewegtem Objekt und fixierten Augen erhalten, sondern zeigt sich auch, wenn an dem ruhenden Objekt das Fixierzeichen, vorbeibewegt wird. Im letzteren Falle weicht das Nachbild in quantitativer Beziehung jedoch mehr oder weniger von dem des erster en ab. 2. Deutlichkeit und Dauer des Nachbildes sind geringer als bei der alten Methode. 3. Bewegungen der äufseren Augenmuskeln, sowie Orts¬ veränderungen und Drehungen des Kopfes wirken störend auf das Phänomen. Worauf es beruht, dafs gleiches „Bürsten der Netzhaut bildet’ über die Netzhaut“ Nachbilder von verschiedener Deutlichkeit erzeugt, vermag ich nicht anzugeben, will aber hervorheben, dafs meines Erachtens die Genauigkeit der Fixation dabei eine Bolle spielen dürfte. Es wird kaum möglich sein, bei Senkung des Kopfes das sich senkende Fixationszeichen so scharf im Auge zu behalten, wie bei ruhendem Kopf das ruhende Fixationszeichen. Zum Schlüsse meiner Ausführungen sage ich Herrn Prof. Sigm. Exner für seine gütige Anregung und werktätige Unter¬ stützung meiner Arbeit, sowie Herrn Assistenten Dr. Stigler für die liebenswürdige Beihilfe bei den Beobachtungen, meinen herz¬ lichsten Dank. (Eingegangen am 7. Dezember 1908.)