299 (Aus der physikalischen Abteilung des physiologischen Instituts der Universität Berlin.) Über typische und atypische Farbensinnsstörungen nebst einem Anhang: Erwiderung an Herrn Dr. A. Guttmann. Von Professor Dr. W. Nagel (Berlin). In einen kleinen Artikel „Zur Nomenklatur der Farbensinns¬ störungen“ {Diese Zeitschrift 42, S. 65) habe ich kürzlich neben anderem auch die Frage berührt, ob es nicht zweckmäfsig wäre, die Termini: „rotanomal“ und „grünanomal“ für die beiden Typen der anomalen Trichromaten durch andere zu ersetzen, die den engen Zusammenhang der beiden Anomalentypen mit den entsprechenden Dichromatentypen besser zum Ausdruck brächten. Als v. Kries jene Ausdrücke im Jahre 1905 provisorisch vor¬ schlug, vermied er in wohlbegründeter Vorsicht die Wahl von Namen, die theoretisch zu viel präjudizierten und fügte auch hinzu, es könnte die Auffindung noch weiterer Typen die Be¬ zeichnung der beiden bekannten Formen als rotanomal und grün¬ anomal ungeeignet erscheinen lassen. Dieser Fall ist nun bekannt¬ lich nicht eingetreten, die neuesten Untersuchungen haben nur immer deutlicher die Unterschiede der beiden Anomalentypen untereinander und gegen die normaltrichromatischen Typen er¬ kennen lassen, nicht aber neue Typen ergeben. Gleichzeitig haben diese Untersuchungen, insbesondere die auf meine Ver¬ anlassung oder von mir im Berliner physiologischen Institut aus¬ geführten, immer klarer den engen Zusammenhang zwischen Anomalen und Dichromaten zutage treten lassen. Nichts bringt ja diese engen Beziehungen deutlicher zum Ausdruck als die Schwierigkeit, die in manchen Fällen die Differentialdiagnose : Dichromat oder Anomaler? selbst bei Verwendung spektraler Mischungsgleichungen bieten kann.