123 (Aus der physikalischen Abteilung des physiologischen Instituts zu Berlin.) Untersuchungen an einem protanomalen System.1 Von Kurt Koffka. Im folgenden sollen Beobachtungen beschrieben werden, die ich anstellte, um einige der Lücken auszufüllen, die unsere Kenntnis vom Farbensinn der Protanomalen aufweist. Ich selbst bin protanomal und habe alle Beobachtungen an mir selbst ge¬ macht. Ich habe keinen anderen Beobachter vom gleichen Typus herangezogen, so dafs es natürlich nicht feststeht, ob die an mir beobachteten Erscheinungen für den Typus des Protanomalen charakteristisch sind, oder ob sie nur in einigermafsen extremen Fällen, wie dem meinen, auftreten. Wo im folgenden das Wort anomal gebraucht wird, was der Kürze wegen geschehen soll, da ist immer der Protanomale respektive mein eigenes System dar¬ unter zu verstehen. In erster Linie habe ich mich der Untersuchung der Kontrast¬ erscheinungen zugewandt. Es ist seit einigen Jahren bekannt, dafs die anomalen Trichromaten gesteigerten Kontrast haben.2 Die verschiedenen von Professor Nagel angegebenen 1 Dem Vorschlag des Herrn Prof. Nagel folgend, vgl. diese Zeitschrift 43, 76, brauche ich diese neue Terminologie, um damit auf die nahe Ver¬ wandtschaft hinzuweisen, die zwischen den anomal trichromatischen und den entsprechenden dichromatischen Systemen besteht. 2 Vgl. Nagel, Sitzungsberichte d. physiol. Ges., Berlin, November 1903; Guttmann, Berichte über den ersten Kongrefs für exper. Psychol, in Giefsen 1904, S. 14; Nagel, Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 42; ders., Fort¬ gesetzte Untersuchungen zur Symptomatologie und Diagnostik der ange¬ borenen Störungen des Farbensinns; diese Zeitschrift 41, S. 261; ders., Ver¬ suche mit Eisenbahn-Signallichtern an Personen mit normalen und abnormen Farbensinn; diese Zeitschrift 41, S. 472.