424 Die Funktion der Netzhaut beim Sehakte. Eine biophysikalische Hypothese. Von Dr. Berthold König-, Göding. Das schwierige Problem des Sehens ist trotz der vielfachen Behandlung von der Seite berühmter Physiker, Physiologen und Philosophen noch immer nicht völlig gelöst worden und in manchem Teile der grofsen Kette von Vorgängen, die zwischen den Energieerscheinungen des Objektes, dem Lichtstrahlengange, dem Bilde auf der Netzhaut, der Erregung des Sehnervenendes, der Weiterleitung des Eindruckes zum Gehirne und dem Projizieren nach Aufsen verlaufen, herrscht noch Dunkel. Es sei nun hier versucht, einige Gedanken über den Sehakt, soweit er sich in der Netzhaut vollzieht, zum Ausdrucke zu bringen, wobei ich gleich erwähnen mufs, dafs ich nur eine neue Hypothese der Gesichtssinneseindrücke geben will, die einer Bestätigung aus dem Kreise der Praktiker, der Physiologen und Augenärzte, bedarf. Das wichtigste Teilorgan des Gesichtssinnes ist die Netzhaut, die in ihrem Aufbaue eine aufserordentlich feine Technik und, wie ihr Querschnitt unter dem Mikroskope dartut, eine höchst komplizierte Schichtung aufweist. Die Rolle dieser Netzhaut¬ schichten, welche wie zierliche Glieder eines allerfeinsten Mechanis¬ mus ineinandergreifen, soll von einem ganz neuen Standpunkte betrachtet werden, und es soll zu diesem Zwecke zunächst ein schematischer Querschnitt der Netzhaut, wie er bei starker Ver- gröfserung erscheint, beigegeben werden. In Figur I lassen sich 11 Schichten erkennen: 1. Pigmentschichte, 2. Stäbchen- und Zapfen schichte, 3. Begrenzungsmembran, an zahlreichen Stellen von den Nervenfasern der Stäbchen und Zapfen durchbrochen, 4. Körnerschichte. Jedes Korn ist mit einem Stäbchen oder