226 V. 0. Sivên. wurde, würde nach Vaughan darauf beruhen, dafs es nur bei schwächerer Beleuchtung hervortritt und hierin läge auch die Erklärung zu Nagels und meinem tatsächlichen Widerspruche. Vaughan untersuchte daher das Phänomen näher bei wech¬ selnder Lichtintensität1 und findet, dafs bei ziemlich schwacher Beleuchtung dasselbe Ergebnis wie bei den Versuchen mit Tages¬ licht erhalten wurde, d. h. der mittlere Fleck konnte weifs ge¬ sehen werden. Bei Erhöhung der Lichtstärke perzipiert die Makula schwach gelb und bei starker Intensität des Lichtes er¬ scheint das fixierte weifse Papierblättchen ebenso gelb wie die übrigen Blättchen. Mir scheint jedoch Vaughans Versuchsanordnung nicht ganz glücklich gewesen zu sein, da er künstliche Beleuchtung anwandte und das künstliche Licht. bekanntlich nie so rein weifs zu erhalten ist wie das Sonnenlicht. Bei starkem Sonnenlicht konnten v. Wendt und ich konstatieren, dafs in der Santonin¬ vergiftung die Makula fortfahrend weifs perzipiert. Ganz be¬ liebig tritt das Phänomen bei vollständig lichtadaptiertem Auge hervor und ist in keiner Weise vom Adaptionszustande des Auges abhängig. Auch Vaughan findet, dafs die Santonin Vergiftung durchaus nicht auf die Dunkeladaption influiert. Aber selbst, wenn die Beobachtung Vaughans, dafs bei starker Lichtintensität auch die Makula Sitz von Farbenstörungen sei, richtig wäre, was ich aus oben angeführten Gründen nicht als völlig bewiesen ansehen kann, so ist doch sowohl durch v. Wendts und meine als jetzt zuletzt durch Vaughans und Nagels Versuche festgestellt, dafs Netzhautperipherie und Makula sich während der Santoninvergiftung verschieden verhalten. Mit logischer Notwendigkeit ist aus diesem Tatbestand der Schlufs zu ziehen, dafs das Santonin in erster Eeihe die Netzhautelemente angreift, die sich in der Peripherie befinden, die Elemente in der Makula aber frei läfst. Und dieses Verhalten läfst sich durchaus nicht durch die v. KRiESsche Duplizitätstheorie er¬ klären. — Wenn nun — wie v. Kries und seine Schule behaupten — nur die Zapfen den chromatischen Apparat bildeten, so wäre zu erwarten, dafs die durch das Santonin hervorgerufene Farben- 1 Die Beleuchtung wurde durch eine Projektionsbogenlampe erzeugt.