464 Li teraturberich t. die Extreme, indem bald eine „hypertention“, bald eine „bypotenfciön artérielleu zu dem gleichen Effect führen »oll. Beine auf obigen Vor¬ stellungen auf gebaute „doctrine mécaniste" löst mit geringer Schwierigkeit das Schlafproblem ; nur für gewisse Fälle von Schlaflosigkeit soll die dem Verf. nicht sonderlich zusagende „toxische Theorie" in Geltung bleiben. Wir übergehen die Abschnitte, die von den Störungen im Bereich des Verdauung»- und Urogenitalapparates handeln. Hier, wo der Verf. ganz Arzt ist, sind seine Ausführungen ein wandsfrei und genussreich. Der dia¬ gnostischen wie therapeutischen Seite wird erschöpfend Rechnung getragen. Das farbenreiche Bild der Sexual-Neurasthenie ist mit französischer Dar¬ stellungskunst gezeichnet. Die drei folgenden Capital sind dem eigentlichen Geisteszustand der Neurastheniker gewidmet. In langen Auseinandersetzungen wird der für deutsche Leser überflüssige Beweis erbracht, dafs „die Neurasthenie vor Allem eine Krankheit des Nervensystems ist, mit secundären Störungen der Verdauung und Ernährung“ (S. 225). Es wird nochmals die psycho¬ logische Gegensätzlichkeit zur Hysterie erörtert Hier Störung des psychi¬ schen Geschehens durch Vorstellungseinflüsse, dort durch das Wirken der Ermüdung. Daher die Unzugänglichkeit der Neurastheniker für Suggestionen und die Wirksamkeit körperlich - roborirender Behandlung. Die depressive Grundstimmung der Neurastheniker wird aus dem mehr oder weniger deut¬ lichen Bewufstwerden der körperlichen Unzulänglichkeit erklärt. Der Mecha¬ nismus sei etwa folgender: Ein Arbeitsexcefs oder schwächende Einflüsse sind vorangegangen. Die graue Rinde verfällt in einen Zustand von „Hypo¬ vitalität". Die Gesammternährung der Körperorgane leidet; dadurch ver¬ mindert sich deren Leistungsfähigkeit. Die sensiblen Nerven geben dem Gehirn von „diesem functioneilen Elend" Kunde und der Mensch wird traurig. Aus der gleichen Quelle werden die übrigen Stigmata der neur- asthenischen Geistesverfassung hergeleitet: der hypochondrische Hang, die Todesfurcht, die Grübelsucht, die Neigung zur Selbstunterschätzung, die reizbare Schwäche u. s. w. Ob eine derartige grob - mechanisch vereinfachte Erklärung den wechselnden und complicirten Verhältnissen der neurastheni- schen Seelenveränderung gerecht wird, möchte Ref. bezweifeln. Neben vielem Anderen bleibt unerklärlich, warum die allgemeine Herabsetzung der Leistungsfähigkeit die intellectuellen Functionen unberührt lälsL Keinesfalls trifft die Theorie für die constitutioneile Neurasthenie zu, die einen angeborenen Zustand darstellt. Eine strengere Scheidung dieser von der erworbenen Form wäre am Platze gewesen. Das Buch schliefst mit einer umfassenden Schilderung des viel¬ gestaltigen antineu ras then ischen Heilverfahrens. Kalmus (Lübeck). Vaschide, N. et Vubpas, Cl. Psychologie di délire dans les trouble* psycho¬ pathiques. Paris, Masson et Cie. Eine historisch-kritische Studie über die Entwickelung der Lehre vom délire, unter dem die Franzosen die Störungen des Vorstellungszusammen¬ hangs, von der Verwirrtheit und Ideenflucht bis zu den systematisirten Wahnideen der Paranoiker verstehen, mit besonderer Berücksichtigung des psychologischen Mechanismus, der Genese und der symptomatologischen Bedeutung. Ebnst Schultzs (Andernach).