232 Literaturbericht. schmerzhafte elektrische Einwirkungen, Rauchen, sowie die Gerüche von Balsam und Aether. Als Maafs der Aufmerksamkeitsleistung gilt das Ver¬ hältnis der Merklichkeits- zu den Nichtmerklichkeits perioden. Die Ergeb¬ nisse der Versuche sind bei Anwendung der gleichen Reize individuell sehr verschieden, so dafs Vert die subjectiven Dispositionen seiner Beob¬ achter zur Erklärung heranziehen mufs. So kommt er zu dem Resultat, dafs die Leistung der Aufmerksamkeit bei schwacher Reizung erhöht, bei stärkerer vermindert wird. Im übrigen bestätigt er die Slaughter'scHc Theorie vom Ueberfliefsen der Energie vasomotorischer- und respiratori¬ scher- auf Rindencentren und geht so weit, zu behaupten, man könne die TRAUBE-HERiNo'schen Blutdruckwellen und ähnliche Erscheinungen besser in ihrer Aeufserung als Aufmerksamkeitsschwankungen studiren statt wie bisher mittels directer plethysmographischer Untersuchung. Bübb (Leipzig). N. Vaschide et Cl. Vupras. De la ?itesae des temps ie réaction auditive simples on de choix en rapport avec lo coefficient mental. Comptes rend, de la Soc. de Biol. 20. Juli 1901. 3 8. Im psychologischen Laboratorium der Irrenanstalt Villejuif bei Paris kam eine Patientin zur Beobachtung, die, ohne nennenswerthe körperliche Störungen, eine krankhafte Neigung zeigte, ihre physischen und psychischen Zustände zu analysiren. Bei ihr erforderten einfache Schallreactionen im Mittel eine Gesammtzeit von 335 o (mittl. Var. 70). Akustische Wahl- reactionen mit unvorhergesehenem Wechsel zwischen Ausführung und Unterlassung der Reactionsbewegung, je nach der Beschaffenheit des Reizes, ergaben eine mittlere Reactionszeit von nur 250, eine mittlere Variation von 23 o. Die Verff. erklären den zunächst paradoxen Zeitunterschied nach den Aussagen der Versuchsperson dadurch, dafs diese an den Wabl- reactionen mehr Antheil nahm als an den einförmigen, die Aufmerk¬ samkeit weniger beanspruchenden Reactionen der ersten Art. Die Reizbedingungen werden nicht genau genug beschrieben, und die Zahl der Versuche — je 20 — ist zu gering, als dafs man die Richtigkeit dieser Interpretation beurtheilen könnte. Es handelt sich in beiden Fällen offenbar um eine ausgeprägt sensorielle Reactionsweise. Beweis : die absolute Gröfse der Zeiten und der Fortfall jeder Art Fehlreactionen. Nun ging bei den Wahlreactionen dem entscheidenden Reize ein — akustisches — Signal voraus. Für die einfachen Reactionen wird davon nichts berichtet. Erfolgten sie, wie es den Anschein hat, ohne vorhergehendes Signal, so würde in erster Linie der so verursachte Unterschied der Aufmerksamkeits¬ bedingungen die fragliche Zeitdifferenz erklären. Vgl. Dwelshauwebs, Phil. Stud. Ü, dessen Beobachtung über die zeitverkürzende Wirkung des Signals ich bestätigt fand.1 F. Eeueoeb (Leipzig). 1 Auf briefliches Befragen antwortet Hr. Dr. Vaschide mir soeben, dafs die Aufmerksamkeit der Versuchsperson in beiden Fällen durch den Zuruf „attention“ erregt wurde. Indessen, zwischen diesem Zuruf und dem auslösenden Schalle (Chronometer von d’Arsonval) lag, so viel ich sehe, bei den Wahlreactionen noch ein regelmäfsiges, vorbereitendes Signalgeräusch,