442 Literaturberk ht. summiren sich die Helligkeiten der Objecte bei binocularer Farbenmischung nicht, sondern die Helligkeit der Mischung ist gleich dem arithmetischen Mittel der Helligkeiten der Componenten. Bei monocolarer Farbenmischung erfolgt bekanntlich Summation der Helligkeiten. Die Farbenmischungen sehen nicht immer gleich aus; sie sind zu verschiedenen Zeiten verschieden und können wechseln je nachdem, welche Partie der Netzhaut zur Beobachtung benutzt wird. Diese Differenzen be¬ ruhen auf den mit der Zeit wechselnden „Stimmungen“ des Auges, auf seinem Adaptationszustand. Bei heller Beleuchtung sieht das dtmkeladap* tirte Auge die Farben weniger gesättigt als das heiladaptirte. Bei dunkler Beleuchtung sieht umgekehrt das heiladaptirte Auge die Farben weniger gesättigt und schwärzlicher als das dunkeladaptirte. Eine letzte Schwierigkeit, Farbenmischungen binocular zu erzielen, besteht endlich darin, dafs viele Personen gewohnheitsmäfsig nur ein be¬ stimmtes und stets dasselbe Auge benutzen. Wie oft dieser Fall vor¬ kommt, hat Lohmann näher untersucht und die Besprechung seiner Resultate hat jetzt zu folgen. Von 201 Personen (Jägerbataillon) gelang 61 die Mischung 6tets, 136 bevorzugten das eine oder das andere Auge, ohne dabei eigentlichen Wettstreit der Sehfelder zu zeigen. Bei 4 trat Wettstreit der Sehfelder ein. Die meisten bevorzugten das rechte Auge, ein Umstand, welcher in An¬ betracht der meist beiderseits gleichen Sehschärfe wohl mit Recht auf An¬ gewöhnung beim Schiefsen zurückgeführt werden darf. Interessant ist ferner, dafs bei 12 von den 19 Mann der Musikcapelle des Bataillons Wett¬ streit der Sehfelder auftrat; auch hier wird die Art, wie das Auge bei diesen Leuten gewöhnlich thätig ist, als Erklärung herangezogen. Dafs bei dem steten Umherirren zwischen Dirigenten, Notenblatt und Instrument, bald das rechte, bald das linke Auge bevorzugt wird, ist ein Moment, welches unter anderen Umständen zur Geltung kommend, Wettstreit der Sehfelder begünstigen mufs. H. Piper (Berlin). Alfred Binet. Ua nouvel esthésiomètre. Aimée psychol 7, S. 231—239. 1901. — Technique de l’esthésiomètre. Ebenda S. 240—248. B. giebt uns die Beschreibung und Abbildung eines von ihm eon- struirten Aesthesiometers, der, soweit sich aus der Ferne beurtheilen läfst, zahlreiche Vortheile vor dem üblichen zu besitzen scheint. Seine Haupt- eigenthümlichkeit besteht darin, dafs jede Spitze für sich an einem Met&ll- stück befestigt ist, welches an einem senkrecht zu haltenden Gestänge gleitet. Dies ermöglicht, dafs beide Spitzen beim Aufsetzen oder Fallen¬ lassen stets mit gleichem Druck der Haut applicirt werden, ferner, dafs man an der Höhe der beiden Fallstücke sofort eine Contrôle hat, ob die Application auch wirklich gleichzeitig erfolgt ist. Der zweite Artikel zeigt, dafs es beim Aesthesiometriren unvortheil- haft ist, in kleinsten Abstufungen vorwärtsschreitend die Schwelle zu suchen, dafs vielmehr eine unregelmäfsige Abwechslung von gröfseren und kleineren Reizen allein zu sicheren Resultaten führt. W. Stern (Breslau).