158 Literaturbericht. liehe Begriff der psychischen „Verwachsung“, deßBen sich Gboos bedient, schuld ist. Das Capital über die ästhetischen Illusionen giebt dem Verf. Gelegen* heit, mit vielberufenen ästhetischen Theorien der Gegenwart, vor Allem mit Langb’s Lehre von der bewufsten Selbsttäuschung in Fühlung zu treten. Gboos anerkennt die Thatsache der ästhetischen Elusion und unterzieht sie eingehender psychologischer Analyse. Es ist jedoch für seine Auffassung wesentlich, dafs er in der Illusion, so nahe ßie ihm auch verwandt ißt mit der inneren Nachahmung, keineswegs den Kern des ästhetischen Verhaltens erblickt. — Damit glaube ich die Hauptgedanken des neuen Buches gekennzeichnet zu haben. Auf die überaus mannigfaltigen Details einzugehen, ist an dieser Stelle natürlich ausgeschlossen. Doch ist es meine Pflicht, ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, dafs sich in ihnen, wie übrigens von Gboos nicht anders zu erwarten war, vielseitige, reiche Erfahrung mit tiefem Ver¬ ständnis verwerthet findet. Im Ganzen wird das Buch wegen seiner überall wenigstens im Prineip festgehaltenen richtigen und strengen Methode der heutigen Aesthetik gewifs nützlich sein; aber auch der Psychologe wird aus mancher eigenthümlichen These des Verf.'s Anregung zu schöpfen haben. Witasek (Graz). Vaschide et Vübfas. Le délire i© métaphysique. Rev. scient. 16 (6), 171—176. 1901. Die Verff., deren Bestreben hauptsächlich dahin geht, tiefer in die Logik der Geisteskranken und die Genese der Wahnideen einzudringen, stellen im Anschlnfs an einen Fall ein neues Krankheitsbild unter dem Namen „délire de métaphysique“ auf, das dadurch charakterisirt ist, dais das ganze Geistesleben des Patienten ausschließlich auf die Frage nach dem Wesen der Dinge, nach den Endursachen und dem Endziele der Welt gerichtet ist. Der zu Grunde liegende Fall betrifft einen 36 jährigen P&t, der bis zu seinem 32. Jahre nichts Abnormes gezeigt hatte. Um diese Zeit wurde er in einem Duell schwer verwundet; und als er von dem mehr¬ wöchentlichen schweren Krankenlager, während dessen er viel von Todes¬ furcht geplagt wurde, auf stand, zeigte er eine tiefgreifende Veränderung seines Wesens. Während er vorher fast aussehliefslich einem ziemlich oberflächlichen gesellschaftlichen Leben hingegeben war, zog er sich jetzt von allem zurück und beschäftigte sich nur noch mit metaphysischen und astronomischen Fragen. Er häufte darauf bezügliche Bücher und Instru¬ mente auf, ging aaf Reisen, um Sternwarten zu besuchen etc., und dies alles machte er in einer so sprunghaften, ungeordneten, hastigen, nirgends Genüge findenden Weise, dafs der krankhafte Charakter dieser Beschäfti¬ gung deutlich zu erkennen war. Seine bisherige oberflächliche Bildung gab ihm auch nicht die Möglichkeit, das Aufgenommene geordnet zu ver¬ werten; und trotzdem zwang ihn seine krankhafte Neigung stets wieder zum Grübeln über dieselben Fragen, zum vergeblichen Suchen einer Lösung derselben. Den Todesgedanken, denen der Pat vor und nach dem Duell so sehr hingegeben war, legen die Verff. für die Entstehung des Krank- heitsbildes eine grofs© Bedeutung bei. Kbamkb (Breslau).