154 Literaturbericht. Der Sprachform, die ursprünglich nachgeahmt, dann nach Analogie gebildet wird, entspricht gewöhnlich in ihren Veränderungen eine Differen* si rung der Sach Vorstellungen oder eine andere Beziehung des Sprechenden zum Vorstellungsinhalte. Für den Sprachunterricht folgert er hieraus, „dafs, wenn der Lernende solche Sprachformen kennen lernt, die Be¬ ziehungen in seinem Bewufetsein lebendig sein müssen“. Die Periode, in die gewöhnlich die Erlernung der Fremdsprache fällt, ist von derjenigen der Erlernung der Muttersprache wesentlich ver¬ schieden. Es sind in ihr die Sachvorstellungen bereits fixirt, weshalb ein naturgemäfees Erlernen der fremden Sprache nicht auf gleiche Weise vor sich gehen kann wie das der Muttersprache. Von den Methoden, die Fremdsprache zu lehren, kann aber die directe Anschauung nur in zu beschränktem Maafse Anwendung finden, als durch sie wirklich neue Vorstellungen gegeben werden könnte; ihr Nutzen wird vor Allem nur darin bestehen können, die deutsche Bezeichnung zu vermeiden. Die fremde Sprache aber auf einem ganz neuen, dem fremden Volksthum ent¬ sprechenden Sachgebiet anfzubauen, fehlt dem Ausländer die Zeit: Wir müssen daher in Folge dessen die fremde Sprache noth- gedrungen anf dem sachlichen Vorstellungsmaterial auf¬ bauen, auf dem auch die Muttersprache ruht. Die Schrift unterstützt die Einprägung. Die Untersuchung bringt in ihren eprachpsychologischen Ausführungen nichts wesentlich Neues. Doch wird den Psychogenetiker hier die häufige Stützung derselben durch Kinderbeobachtungen interessiren. Di© päda¬ gogischen Schlussfolgerungen hingegen sind ein werthvoller Beitrag zu den modernen Bestrebungen der Pädagogik, ihr© Lehren auf psycho¬ logischen Erkenntnissen aufzubauen. Ament (Würzburg). K. Groob. Der ästhetische Genufs. Giefßen, Ricker, 1902. 263 S. Mk. 6.—. Statt einer zweiten Auflage der „Einleitung in die Aesthetik“ giebt nns der durch seine beiden Werke über die Spiele der Thiere und der Menschen inzwischen zu begründetem Ansehen gelangte Verf. ©in neues Buch. Es behandelt die „allgemeinen Bedingungen des ästhetischen Ge- niefsens“. Drei weiteren Bänden sind das Schöne und die ästhetischen Modificationen, das Wesen des Genies und das System der Künste Vorbe¬ halten, so dafs dann die wissenschaftliche Aesthetik um eine neue, um¬ fassende Gesammtdarstellung bereichert ist Davon fällt der nunmehr vorliegende erste Band gewifs auch in die Interessensphäre unserer Zeitschrift Die Fundamente der Aesthetik liegen in der Psychologie, und Gboos läfst diese richtige Erkenntnifs in vollem Umfange zu ihrem Rechte kommen. Er beginnt mit der psychologischen Analyse des ästhetischen Genusses. Ein einleitendes Capitel über die Methoden der psychologischen Aesthetik zeigt, dafs diese im Allgemeinen mit denen der Psychologie überhaupt völlig zusammenfallen; und die an¬ sprechende und correcte, wenn auch natürlich summarische Darstellung der letzteren erweckt die beßten Erwartungen. Man möchte sonach erwarten, dafs zur nächsten Charakteristik des ästhetischen Genusses, wenn sie schon durch Einordnung desselben in