140 Literaturbericht. sein auf einer früheren Stufe der Entwickelung bedeutet. Farbensinn und Lichtsinn sind bis zu einem gewissen Grade von einander unabhängig und können jeder für sich gestört sein. Dies weist darauf hin, dafs Licht- und Farbenperception in verschiedenen Ganglienzellen des Gehirns zu Stande kommen; und Verf. meint, dafs die letztere sich später entwickele, als die erstere. Darum wird zuerst Alles nur in Abstufungen von Schwarz und Weifs gesehen; dann tritt zunächst Farbenempfindung an den Enden des Spectrum8 als Roth und Violett auf, und dies ist der Standpunkt, auf dem sich Homer befand. Verf. konnte auch den gleichen Grad der Farben¬ blindheit an dem einen Auge eines Patienten bei farbentüchtigem anderen Auge beobachten. Die beiden farbigen Streifen rücken dann im Laufe der Entwickelung des Farbensinns immer näher an einander, biB sie zusammen- stofsen und an dieser Stelle das Grün auftritt. An den Berührungsstellen der nun vorhandenen Farben treten dann Gelb und Blau und zum Schlufs Orange auf. Kramer (Breslau). F. Sbtdrl. Ein Beitrag zum Wiedersehenlernen Blindgewordener. Mm. Monatsbl. f. Augenheiik., XL. Jahrg. 1, S. 97—113. 1902. Der bereits von Axexfeld geschilderten Beobachtung eines Falles von Verlernen des Sehens nach Erblindung im 6. Lebensjahre (s. Referat dies€ Zeitschr. 25, 8. 259) kann Skydel 2 neue hinzufügen. In beiden Fällen war nach Verlust des einen Auges durch Verletzung, das andere durch sym¬ pathische Erkrankung im 7. Lebensjahre erblindet, in dem einen wurde 3, in dem anderen Falle 24 Jahre später durch eine Operation das Auge wieder sehfähig gemacht. Aus dem sehr genau in den Einzelheiten wieder¬ gegebenen Verhalten des Operirten geht hervor, dafs dasselbe dem von Blindgeborenen glich, wenn auch die Hochgradigkeit und Vollständigkeit des Verlernens bei dem geistig sehr zurückgebliebenen 10 jährigen Mädchen stärker hervortrat als bei dem 31 jährigen geistig besser veranlagten Manne. Durch Uebungen gelang es in beiden Fällen, das optische Begriffsvermögen wieder herzustellen. G. Abelsdorff. W. Thorner. Zur Theorie der RefractionsbestiinniiBgeu. Arch. f. Augenheiik. 45 (2), 111. 1902. Da unsere Brillengläser nicht im Knotenpunkte des Auges angebracht werden können, besteht bekanntlich zwischen der Stärke des corrigirenden Glases und den wirklichen Ametropiegraden ein Unterschied, der den Praktikern insbesondere bei hochgradiger Myopie oft genug unliebsam be¬ merkbar wurde. Liegt z. B. der Fernpunkt eines Auges 100 mm vor dem Hornhautscheitel (also ca. 107 mm vor dem vorderen Knotenpunkte), so sprechen zwar manche Kliniker, ohne diesen Knotenpunkt zu berück¬ sichtigen, von einer „reellen Myopie“ von 10 D, das corrigirende Glas ist aber nicht (— 10,0) D, sondern ein stärkeres Concavglas. Die Stärke hängt ab von dem Abstand, in dem das Brillengestell vor die Hornhaut ge¬ bracht wird; Th. hat sehr Recht, wenn er den „guten Rath“: in solchen Fällen das Brillenglas möglichst dicht an das Auge zu bringen, als noch mehr verwirrend und jeder Contrôle beraubend bezeichnet. Wie schon andere Autoren (Fukala, Pflüger u. A.) schlägt Th. 10 cm. als constanten Brillenabstand, er nennt dies Correctionspunkt, vor. In oben ge-