433 Zur Abwehr einer Kritik des Herrn STORCH. Von Professor W. von Zehender, Obermedicinalrath (Eutin). Meine in den Bänden XX und XXIV (1899 und 1900) dieser Zeitschrift veröffentlichten beiden Abhandlungen über optische Täuschungen habe ich, mit Genehmigung der Herausgeber und des Verlegers, neuerdings als eine besondere Schrift erscheinen lassen. Diese besondere Schrift hat in dem Octoberheft des Centralblattes für Nervenheilkunde und Psychologie eine so imgewöhn¬ lich abfällige Kritik erlitten, dafs ich den .Lesern der Zeitschrift, zugleich auch der Zeitschrift selbst, die meine Arbeit der Ver¬ öffentlichung werth geachtet hat, einige Worte der Abwehr schuldig zu sein glaube. Der Verfasser dieser Kritik behauptet, die Erfahrung Volk¬ mann’s, auf welche sich meine Arbeit stützt: „die Diameter, welche parallel erscheinen, divergiren ohne Ausnahme nach oben“ lasse sich in anderer Form auch so ausdrücken: „dafs wirklich parallele Linien nach oben zu convergiren scheinen“ Die logische Richtigkeit dieser Umformung der Worte Volk- mann’s hat noch Niemand bestritten und wird vielleicht Niemand bestreiten, dafs sie aber realiter richtig sei, ist experimentell noch nie bewiesen worden, und kann überhaupt gar nicht experi¬ mentell bewiesen werden. Mir scheint, die vorliegende Differenz beruht lediglich auf einem Wortstreit, und darauf näher einzugehen habe ich weder di© Absicht noch auch die Neigung. Also zur Sache! Das Wort parallel bedeutet ein aus den Anfangsgründen der Geometrie hinreichend bekanntes Verhalten zweier Linien zu einander. — Zwei Linien kann man zwar sehen — das ist Zeitschrift für Psychologie 80. 28