Dispoaitionspsychologitches über Gefühhtcomplexionen 895 daß dann, wenn einer gleichsam seinen ganzen Vorrat von Liebe und Zuneigung auf eine Person concentrât, in der Regel für andere nicht viel an Neigung übrig zu bleiben pflegt Hierher gehören auch die Fälle einer ausschließlichen Vorliebe für be¬ stimmte Beschäftigungsweisen, seien sie geistiger oder körper¬ licher Art So kann z. B. die Bevorzugung des Radfahrsportes bei einem Individuum dazu führen, daß dasselbe an anderen Fortbewegungsarten durchaus keinen Gefallen mehr findet Der¬ artige Erfahrungen zeigen deutlich, daß unter dem Einflüsse eines vorherrschenden Lustgefühles andere Lustgefühle nicht recht aufkommen können und Vorstellungen, die sonst mit Lust verbunden waren, nunmehr keine oder nur schwache Lustgefühls¬ regungen hervorbringen. Offenbar sind Veränderungen bei den betreffenden Lustgefühlsdispositionen eingetreten, die diesmal aber nicht von der Einwirkung von Gefühlen entgegengesetzter Qualität, sondern von gleichnamigen Gefühlen herstammen. Vielleicht könnte man den Versuch machen, die zuletzt be¬ rührten Fälle durch Berufung auf Ermüdungs- und Ueber- s&ttigungserscheinungen zu erklären. Dabei müßte man sich natürlich vor Augen halten, daß auch eine solche Erklärung sich im Wesentlichen auf GefühlsdispositionsVeränderungen stützen müßte. Immerhin wäre im Falle der Ermüdung und Uebersättigung der Thatbestand ein anderer. Die Ausschließlich¬ keit einer nach irgend einer Richtung bin zu Tage tretenden Neigung könnte sicherlich auch darauf beruhen, daß in Folge von Ermüdung oder von Ueberoättigung andere Neigungen aus¬ gelöscht sind. Wenn sich z. B. einer gänzlich aufs Radfahren verlegt, so könnte die Vorliebe für diesen Sport auch damit Zu¬ sammenhängen, daß der betreffende alle anderen sportlichen Betätigungen zur Genüge auskostete. Unzweifelhaft ist richtig, daß sich solches vielfältig im Leben zuträgt und die Allein¬ herrschaft eines Gefühles durch vorgängige Herabsetzung von Dispositionen zu anderen Lustgefühlen begründet werden kann. Aber die Sache kann sich öffenbar auch umgekehrt verhalten. Nicht das Fehlen anderer Neigungen ist die Voraussetzung, daß dem Correlate einer bestimmten Gefühlsdisposition gleichsam die Herrschaft von selbst zufällt, sondern die Existenz eines Lustgefühles macht erst das Auftreten anderer Lustgefühle un¬ möglich, indem es die den letzteren zu Grunde liegenden Dß- positionen entsprechend verändert Man sieht deutlich, worin