392 Robert Saxinger. Lehre yon den zusammengesetzten Gefühlen.1 2 Gefühlseom- plexionen eben dieser Art sind gemeint, wenn im Folgen¬ den von „zusammengesetzten Gefühlen“ die Rede ist. Da¬ gegen pflegt man Gefühlscomplexionen der ersteren Art unter dem Begriff „coexistirende Gefühle“ zusammenzufassen; und diese Bezeichnung soll im Folgenden der Kürze halber beibe¬ halten bleiben, obwohl sie, genau genommen, deshalb zu weit ist, weil zwischen gleichzeitig existirenden Gefühlen im Allge¬ meinen durchaus keine Realrelation bestehen müfste, diese viel¬ mehr nur durch den besonderen Umstand gesichert ist, dafs die Gefühle in demselben Bewufstsein coexistiren. Die Aufgabe der vorliegenden Untersuchung ist es nun, diese beiden Arten von Gefühlcomplexionen vom Standpunkte der Dispositionspsychologie aus zu beleuchten. Zu diesem Be¬ hüte sind einige dispositionspsychologische Bemerkungen voraus¬ zuschicken. Ich versuchte bereits in dem Aufsatze „Ueber den Einflufs der Gefühle auf die Vorstellungsbewegung“ 3 den Dispositions¬ gedanken im Bereiche der Gefühle in möglichst präciser Form darzustellen und bezeichnete dort in Anlehnung an MeinonCtS Terminologie 8 die psychologische Voraussetzung eines Gefühles 4 als Dispositionserreger, die vorübergehende oder dauernde Eigen¬ schaft einer Person durch gewisse Vorstellungsinhalte gefühls- mäfsig erregt zu werden als Dispositionsgrundlage und das Ge¬ fühl als Dispositionscorrelat. Meine dortigen Ausführungen be¬ dürfen vielleicht insoferne einer Ergänzung, als eine ausdrückliche Rechtfertigung der Behauptung, die Vorstellungsinhalte erregten die Gefühle, in ihnen eben noch nicht enthalten ist. Wir müssen an jeder Vorstellung Act, Inhalt und Gegen- 1 VgL Wundt. „Grundzüge der physiologischen Psychologie“, 4. Auf/ II, 18. Cap., und „Grundrifs der Psychologie“, § 12. HÖffding. „Psychologie in Umrissen“, VI B. 2. - Lehmann. „Die Hauptgesetze des menschlichen Gefühlslebens“, §§ 315 bis 336. 2 S. Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane 27 (1 u.'2). 3 Vgl. Meinong. „Phantasievorstellung und Phantasie“. Zeitschrift für Philosophie 95, S. 165. — Witasek. „Beiträge zur speciellen Dispositions¬ psychologie“. ; Archiv f. systemat Philos. B, S. 273—293. 4 Vgl. Meinong. Psychologisch-Ethische Untersuchungen zur Werth¬ theorie, S. 34.