Beiträge zur Analyse der Gesichtswahmehmungen. III. 339 urtheils in Anspruch zu nehmen, zumal da das sonst wohl an¬ genommene unmittelbare Verschiedenheitsbewufstsein ein etwas mythisches Phänomen ist, das durch Selbstbeobachtung nicht nachgewiesen werden kann. Die Thatsache, dafs die Neben¬ eindrücke nicht gleich von allen Personen beobachtet werden können, bietet keine Schwierigkeiten, da diese Eindrücke zwar in der ersten Jugend sehr deutlich gewesen, im Laufe der Zeit aber immer mehr in den Hintergrund getreten sein können. Aller¬ dings beruht dann das Urtheil beim Successivvergleich nur auf mittelbaren Kriterien, und wir müssen annehmen, dafs ein un¬ mittelbares Vergleichsurtheil beim Kinde zunächst nur entsteht auf Grund simultaner Vergleichung neben oder hinter einander befindlicher Gegenstände, von denen der eine den anderen über¬ ragt Aus diesem primären Vergleichsurtheil entwickelt sich dann allmählich das später beim Successivvergleich auftretende Urtheil in der Weise, wie ich es auf Seite 258 angedeutet habe. 3. Die fundamentale Thatsache, dafs fast alle optischen Täuschungen bei häufigerer, genauer Vergleichung der zu be- urtheilenden Gröfsen nachlassen oder ganz verschwinden, spricht dafür, dafs wir es hier mit reinen Urtheilstäuschungen, also mit Störungen des Vergleichungsvorganges zu thun haben. Ich habe deshalb versucht nachzuweisen, dafs hierbei die das Urtheil be¬ stimmenden Nebeneindrücke aufser von den eigentlich zu ver¬ gleichenden auch noch von anderen benachbarten räumlichen Gröfsen abhängen. 22*