Beiträge zur Analyse der Gesichtswahrnehmungen. III. 243 druck während der Pause zu reproduciren vermag, wird sie es im Allgemeinen bei den hier in Rede stehenden Versuchen auch unwillkürlich thun, weil sie ja die Absicht hat, es zu beobachten. Es bleibt aber fraglich, ob auch dann, wenn sie den Vergleich in naiverer Weise vollzieht, noch ein Vorstellungsbild vom ersten Eindruck bei ihr zurückbleibt. Es bleibt ferner fraglich, ob das in der Pause auftretende Vorstellungsbild noch neben dem zweiten Eindruck einige Zeit bestehen bleibt, oder ob es etwa sofort mit ihm verschmilzt. Denn an die zweite Möglich¬ keit pflegen die Versuchspersonen im Allgemeinen gar nicht zu denken: Haben sie das Vorstellungsbild während der Pause beobachtet, so setzen sie ohne Weiteres voraus, dafs es auch nachher noch gesondert im Bewufstsein war. Macht man sie auf die zweite Möglichkeit aufmerksam, so werden sie un¬ sicher in ihren Aussagen. Es ist daher auf die Angaben unge¬ übter Versuchspersonen wenig zu geben. Jedenfalls haben aber diejenigen Herren, welche durch Betheiligung an verschiedenen experimentell-psychologischen Untersuchungen einige Uebung in der Selbstbeobachtung erhalten hatten, nach Versuchen mit ver¬ schiedenartigen Sinnesempfindungen mir bestätigt, dafs die Simultaneität8these mindestens nicht allgemeingültig ist. Denn auch für sie ergaben sich Fälle, in denen sie während der Pause zwischen zwei zu vergleichenden Reizen überhaupt nicht mehr ein einigermaafsen deutliches Vorstellungsbild vom ersten Ein¬ druck zu reproduciren vermochten. Dabei waren diese Ver¬ suchspersonen von vornherein fast alle geneigt, die Simultaneitäts- these als selbstverständlich zu betrachten. Das Hauptgewicht lege ich aber auf die Erfahrungen, welche zwei mit experimentell-psychologischen Untersuchungen besonders vertraute Forscher ganz unabhängig von mir gemacht haben. So war G. E. Müller bei Versuchen über die Vergleichung successiv gehobener Gewichte erstaunt, wie oft er bei der zweiten Hebung jede Erinnerung an die erste verloren hatte. Und zweitens hat sich Külpe {Philosoph. Monatshefte, 30, S. 282) mit aller Entschiedenheit gegen die Simultaneitätsthese gewandt1 Zu diesen Ergebnissen der inneren Wahrnehmung kommen 1 Auch Angell (American Joum. of Psychology 12, S. 70 ff.) hat eich gegen die These ausgesprochen. 16*