242 F. Schumann. raerksamkeit in zahlreichen Fällen das Fehlen eines solchen ziemlich sicher constatiren können. Betrachte ich z. B. kurze Zeit eine Linie von 50 mm und verdecke sie dann, so vermag ich schon zwei Seeunden später mir kein auch nur einiger- maafsen deutliches Vorstellungsbild mehr willkürlich zu erzeugen* während ich trotzdem eine nach dieser Zeit betrachtete Ver¬ gleichslinie, die etwa um 3 oder 4 mm differirt, mit grofser Ge¬ nauigkeit als gröfser oder kleiner zu beurtheilen vermag. Und ähnlich ergeht es mir bei der Vergleichung successiv dar¬ gebotener Töne. Auch zahlreiche Versuchspersonen haben mir das Nicht¬ vorhandensein des Gedächtnifsbildes des ersten Eindrucks be¬ stätigt. Ich bespreche öfter in meinen Seminarübungen das Vergleichungsproblem. Wenn ich dann zunächst vor den Ver¬ suchen den Theilnehmern die Frage vorlege, ob das Gedächtnifs- bild des ersten Eindrucks noch im Bewufstsein vorhanden ist bei Eintritt des zweiten, so pflegen immer einige die dem populären Denken so naheliegende Antwort zu geben: „Selbst¬ verständlich mufs das der Fall sein, da ja sonst ein Ver¬ gleichen unmöglich wäre“. Wenn ich dann aber zu Versuchen übergehe und die betreffenden Personen successive Eindrücke der verschiedensten Sinnesgebiete mit einander vergleichen lasse, so werden sie bald bedenklich, und schliefslich erklärt ein Theil, dafs thatsächlich in vielen Fällen kein Gedächtnifsbild mehr vor¬ handen sei, ein anderer Theil sogar, dafs eigentlich nie ein Ge¬ dächtnifsbild zu constatiren sei. Wichtig ist, dafs bei derartigen Versuchen die verschiedensten Sinnesgebiete herangezogen werden. Auch solche Versuchspersonen nämlich, die etwa eine Tonempfindung noch nach einigen Secun- den mit grofser Deutlichkeit zu reproduciren vermögen, besitzen doch meistens nicht dieselbe Fähigkeit auch für alle anderen Sinnesempfindungen. Es ergeben sich daher wohl fast für alle Versuchspersonen Fälle, in denen sie schon während der Pause zwischen den beiden zu vergleichenden Reizen überhaupt nicht mehr ein einigermaafsen deutliches Vorstellungsbild vom ersten zu reproduciren vermögen. In solchen Fällen kommt natürlich den Versuchspersonen besonders deutlich zum Bewufstsein, dafs das Vorstellungsbild des ersten Eindrucks bei Eintritt des zweiten nicht vorhanden ist. In den Fällen dagegen, in denen die Ver¬ suchsperson überhaupt noch ein Vorstellungsbild vom ersten Ein-