L itéra tar bericht. 287 eines Ineinanderfliefsens der Töne selbst. Nur kann man hier das gemein¬ same und die widerstreitenden Elemente an den Tönen aufserhalb dieser apperzeptiven Vereinheitlichung nicht herauslösen, also auch nicht bei der zum Ähnlichkeitsbewufstsein notwendigen gesonderten Apperzeption des Ver¬ glichenen. Erst durch die Vereinheitlichung selbst ergibt sich so etwas wie eine Abteilung der verbundenen rhythmischen Prozesse der im Be- wufstsein zwar kontinuierlichen Tonempfindungen, mit Heraushebung eines gemeinsamen Grundrhythmus aus der Zahl der gleichfalls möglichen Einteilungen bezw. im Gegenteil mit innerem Widerstreite. Es besteht somit kein Bewufstsein der Ähnlichkeit, sondern nur der Vereinheitlichung schlechthin, d. h. eine Forderung oder Ablehnung der apperzeptiven Ver¬ einheitlichung überhaupt auf Grund jenes nur während dieser selbst erleb¬ baren Zusammenpassens der aufeinander bezogenen Tonrhythmen. Zu dieser Theorie, mit welcher Verf. über die einfache Phänomenologie hinaus¬ gegangen ist, stimmen endlich auch noch Analogieen aus anderen Gebieten, insbesondere eine ähnliche Wirkung der sog. Farbenharmonien. Wilhelm Wirth (Leipzig). Melchior Palaoyi. Der Streit der Psychologisten und Formalisten in der modernen Logik. Leipzig, W. Engelmann, 1902. 93 S. Mk. 2,00. Man braucht in dieser Schrift nicht gar viel gelesen zu haben, um zu merken, dafs sie ihrem Titel im Grunde nicht entspricht, nämlich dafs es sich in ihr eigentlich nicht um den Streit der Psychologisten und Formalisten überhaupt handelt, sondern nur um meinen Streit gegen die Psychologisten in den seit 1900 erschienenen „logischen Untersuchungen“. Der „formalis¬ tischen Tendenz in der modernen Logik“ (5), der „schroffen rückläufigen Bewegung, die den Streitruf: Los von der Psychologie! auf ihre Fahne schreibt“, die „formalistische Gefahr“ eines „unfruchtbaren dürren For¬ malismus“ (1) — will der Verf. entgegentreten. So lesen wir es ganz all¬ gemein in der Einleitung. Aber da wdr alsbald auch hören, dafs Bolzano als „der eigentliche Urheber des modernen Formalismus in der Logik" zu betrachten sei und uns erinnern, dafs Husserl bislang der einzige moderne Logiker ist, der seine Überzeugungen in wesentlichen Punkten an Bolzanos Wissenschaftslehre angeknüpft hat; da wir ferner bemerken, dafs der Verf. keinen anderen Formalisten nennt, vielmehr seine Angriffe teils in eigenen Kapiteln, teils in Form überall eingestreuter Ausfälle einzig und allein auf Husserl bezieht: so müssen wir für diese Schrift die Gleichung ansetzen: moderne Formalisten = Husserl. Wenn ich mich nun durch die Gehässig¬ keit des vom Verf. leider beliebten Tones nicht abhalten lasse, der freund¬ lichen Aufforderung des verehrten Herausgebers d. Z. nachzukommen, und diese Schrift zu rezensieren, so geschieht dies, um die Pflichten zu er¬ füllen, die jeder ernste Arbeiter gegen sein Werk hat, es entstellenden Angriffen nicht preiszugeben. Dem herrschenden Strom logischer und erkenntnistheoretischer Überzeugungen stellen sich meine logischen Unter¬ suchungen als ein zum mindesten unbequemes Hindernis in den Weg. Wohl begreiflich, dafs eine Schrift, die, wie die vorliegende, energisch versichert, das Hindernis beiseite geschafft oder als nichtig erwiesen zu haben, auf billige Lorbeeren rechnen kann, dafs sie vorhandene Neigung