Li ter a turberich t 225 glänzenden Triumph liber die alte Vermögenspsychologie feiern, um dann in der Theorie der Vorstellungsbildung zu hören, die Auswahl, durch welche aus der Mannigfaltigkeit der Sinneseindrücke unsere einheitlichen Vor¬ stellungen entstehen, werde „gemacht eben vom „Willen““, oder die Vor¬ stellungen im Blickpunkt des Bewufstseins seien hervorgehoben vermittelst „einer besonderen Kraft des Willens, genannt „Aufmerksamkeit““ (S. 253). Dazu nehme man noch folgende Sätze: „jeder Verlauf der Vorstellungen ist eine Reihe von Willensakten“ (S. 255), „der Wille ist nicht eine ein¬ fache Vorstellung, auch nicht ein umgebildetes Gefühl, sondern ein spon¬ taner Antrieb, eine Tatsache sui generis, wrelche sich mit keiner jener beiden seelischen Tätigkeiten vergleichen läfst“ (S. 256). „Der Wille wäre mithin, eigentlich genommen, kein seelisches Element; allein er ist etwas mehr, er ist nämlich der erste Antrieb, welcher die gesamte Entstehung der hewufsten Tätigkeiten anregt“ (S. 266). „Das gesamte Seelenleben er¬ gibt sich aus der Verflechtung der primitiven Elemente, nämlich der Empfindungen, der einfachen Gefühle und der Triebe“ (S. 268). Danach brauchen wir zur Willenslehre unseres Autors kaum etwas Weiteres zu bemerken. Wenn dieser sich übrigens bemühen wmllte, die psychologischen Rich¬ tungen, die er als Gefolgsmann Wundts blindlings glaubt verurteilen zu können, zunächst zu verstehen, so würde das seiner Auffassung auch der WuKDTSchen Lehren sehr zu gute kommen. Er würde dann kaum Lipps unter die Intellektualisten rechnen (S. 220). Und er würde dann wohl auch einsehen, dafs mit der Wendung, der Intellektualismus suche die Gefühle „abzuleiten“ aus Empfindungen und Vorstellungen, gar nichts gesagt ist, solange man den Begriff des „Abl-eitens“ nicht näher präzisiert, der eben¬ sowohl die Aufzeigung einer kausalen Beziehung wde eine Identifizierung bedeuten kann. Dafs es jedoch ein grofser Unterschied ist, ob man be¬ hauptet, die Empfindungen und Vorstellungen seien die Reize, auf welche als Reaktion eine bestimmte Gefühlswirkung folgt, oder ob man lehrt, die Gefühle seien eine besondere Klasse von Organempfindungen, seien Erkennt¬ nisse der Nützlichkeit oder Schädlichkeit u. derg]., das wird wohl auch Villa zugeben, und er wird dann vielleicht nicht mehr glauben, durch eine Widerlegung der letzteren Ansicht auch die erstere widerlegt zu haben. Es ist nicht möglich, alles anzuführen, was in der Einleitung Villas klarzustellen sich verlohnte, geschweige denn auf all das einzugehen, was einfach eine Unkenntnis fundamentalster Tatsachen verrät, wde die Be¬ hauptung, die Existenz einzelliger Organismen sei sehr bestritten, oder die Identifizierung von Herbarts Begriff der einfachen Vorstellungen mit dem Vorstellungsbegriff der heutigen Psychologie. WTir müssen betonen, dafs das besprochene Werk in seinem der Kritik entzogenen Teil zu wrenig Neues, zu wenig auch nur in der Form der Darstellung Wertvolles bringt, um die hervorgehobenen und die nicht hervorgehobenen Mängel zu kompen¬ sieren. Auch das Deutsch, in welches der Übersetzer die italienische Aus¬ gabe übertragen hat, läfst viel zu wmnschen übrig. Dürr (Würzburg). Zeitschrift für Psychologie 31. 15