220 Literatnrbericht. Guido Villa. Einleitung in die Psychologie der Gegenwart. Nach einer Neu¬ bearbeitung der ursprünglichen Ausgabe aus dem Italienischen übersetzt von Che. D. Pflaum. Leipzig, Teubner, 1902. 484 S. 10 Mk. An dem Buch in der vorliegenden Form mufs man, abgesehen von dem historischen Teil, fast alles beanstanden. Es will, wie der Verf. im Vorwort ausführt, aufser der historischen eine kritische Einleitung in die Psychologie der Gegenwart geben, indem es die wahrscheinlichen Lösungen der Grundprobleme an der Hand ihrer bisherigen Entwicklung aufzuzeigen sucht. Aber es gibt tatsächlich nichts als eine kritiklose Reproduktion häufig mifsverstandener Lehren Wundts samt einer wenig glücklichen Wiedergabe der Kritik, welche Wundt selbst den von seinen Anschauungen abweichenden Theorien des Intellektualismus, des psychophysischen Materialismus, cfer Psychologie des inneren Sinnes u. s. w. hat zu teil werden lassen. Um zu zeigen, in welche Wirrnis von Unklarheiten diese im Ton einer souveränen Beherrschung des Stoffes gehaltene Einleitung zu führen vermag, sei mir gestattet, auf die Behandlung der prinzipiellsten Fragen etwas näher einzugehen. Da wfird zunächst bei der Abgrenzung des Gegenstandes der Psycho¬ logie gegenüber dem Objekt der Naturwissenschaft der „Dualismus zwischen dem inneren und dem äufseren Sinn“ als gröfstes Hindernis einer wahr¬ haft wissenschaftlichen Forschung verworfen und seine Überwindung als glänzende Tat der wissenschaftlichen Psychologie gefeiert. Diese Über¬ windung aber soll darin bestehen, dafs der Gegenstand des Wissens als ein einheitlicher erkannt worden sei, der in der Naturwissenschaft unter Ab¬ straktion von allem Subjektiven, in der Psychologie dagegen so, wie er sich unmittelbar uns darbiete, behandelt werde. Und jenes Subjektive, von dem die Naturwissenschaft zu abstrahieren habe, wird bald als Gefühls¬ und Willensseite des Seelenlebens, bald so gefafst, dafs auch die Sinnes¬ qualitäten dazu gehören. In harmloser Eintracht finden sich daher neben¬ einander Äufserungen, in denen der Gegenstand der Naturwissenschaft er¬ scheint bald als „System von Vorstellungen, geregelt nach mechanischen Gesetzen“ (S. 101), bald als etwas, was nicht Vorstellung ist, ein „Substrat, welches wir zu denken vermögen, wenn wir von den Merkmalen, unter denen die Objekte unserem Bewufstsein erscheinen, abstrahieren“ (S. 89). Derartige Ausführungen gipfeln schliefslich in folgendem Satz: „Da die Vorstellungen, für sich allein betrachtet, nach Abstraktion nicht nur von