152 Literaturbericht. schiedenem Schädelwachstum verfolgt. Mikrocephalien sowie alle Fälle, in denen ein Hydrocephalus chronicus vermutet werden konnte, wurden aus¬ geschlossen. Es zeigte sich — bei etwa 60 Kindern —, dafs hinsichtlich des Sprach¬ verständnisses sowie der Sprachbildung die Gröfse des Schädels bezw. Ge¬ hirns keinen bestimmenden Einflufs ausübt. Am ehesten läfst sich noch sagen, dafs die übergrofsen Gehirne weniger leisten als die normalen. Thiemich (Breslau). W. H. R. Rivers. Reports of the Cambridge Anthropological Expedition to Torres Straits. Vol. II : Physiology and Psychology. Part 1: Introduction and Vision. 1901. 140 S. Der vorliegende Band ist der 2. unter 6 Bänden, welche enthalten: Physical Anthropology, Physiology and Psychology, Linguistics, Technology, Sociology, Religion. Vorrede des zweiten Bandes von A. C. Haddon. Teil 1 enthält 4 Ab¬ teilungen: Physischer Charakter und Krankheiten des Auges, Sehschärfe, Farbensehen, räumliches Sehen. Bemerkenswert ist vielleicht, dafs Verf. keineswegs so übermäfsig hohe Sehschärfe bei seinen Naturvölkern an der Torresstrasse gefunden hat, wie sie sonst wohl beschrieben ist. Wenn er — mit Haken untersuchend — oft doppelte und dreifache Sehschärfe findet, so ist das ja nichts sehr wunderbares. Die scheinbar so hohe Sehschärfe in der Erkennung gewisser Dinge führt er wohl mit Recht auf die sehr geübte Beobachtungsgabe der Naturvölker zurück, die vieles beachtet und ausnutzt, was der Zivilisierte übersieht. Übrigens wurde die Sehschärfe teilweise auch dadurch festgestellt, dafs die Versuchspersonen Punkte zu zählen hatten, ferner nach Guillebys Methode. Von abnormen Refraktionszuständen der Augen fand sich leichte Hyperopie, was teleologisch im Sinne Exners erklärt wird, selten Myopie (bis — 3,0 D.) und Astigmatismus geringen Grades. Auch bei herabgesetzter Beleuchtung wurde die Sehschärfe bestimmt und z. T. übernormales Adaptationsvermögen festgestellt. Entsprechende Untersuchungen wurden an Australiern, Polynesiern und Melanesiern ge¬ macht. Was das Farbensehen anbetrifft, so liefs sich unter 150 Eingeborenen kein Farbenblinder nachweisen. Es gibt bei ihnen regelmäfsig wieder¬ kehrende Worte für rot, allenfalls auch für gelb und vielleicht noch für grün; blau und schwarz werden auffallenderweise verwechselt. Bei anderen Stämmen wurde wieder blau und grün verwechselt. Betreffs des räumlichen Sehen gibt Verf. an, dafs der HERiNGSche Fall¬ versuch fast ausnahmslos binokular bestanden wurde, während monokular „näher,, oder „ferner“ aus der Gröfse der angewandten Objekte geschlossen, also oft verwechselt wurde. Ferner liefs Verf. Gröfsenschätzungen anstellen, Linien halbieren oder in mehrere gleiche Teile teilen. Auch verschiedene optische Täuschungen wurden in Anwendung gebracht und gaben der Hauptsache nach die zu