79 Literaturbericht. F. Schenck. Die Bedeutung der Neuronenlelire für die allgemeine Herven- physiologie. Würzburger Abh. aus dem Gesamtgebiet der prakt. Med. 2 (47), 183—208. 1902. In dem Kampfe nm die Existenz des Neurons, dessen Begriffs¬ bestimmung kurz historisch entwickelt würd, liefert vorliegende Abhand¬ lung einen bemerkenswerten, lehrreichen Beitrag, und mag weiter zu seiner Überwindung verhelfen. Der Schwerpunkt der geführten De¬ duktionen liegt nicht in dem Nachweis, dafs der Begriff des Neurons als funktionelle und anatomische Einheit unhaltbar ist — dieser Nachweis ist bereits wiederholt erbracht worden, V e r f. liegt vor allem daran, darzutun, dafs die Nervenphysiologie durchaus keine Erweiterung aus der Neuronen¬ lehre erfahren hat und auch keine erfahren kann. Die einzelnen Sätze aus der allgemeinen Nervenphysiologie, die zum Teile schon bestanden bevor man die Ganglienzelle als anatomisches Gebilde kannte, können auch ohne Zuhilfenahme der Neuronlehre eine Erklärung finden. Es wäre zu weitläufig, wollten wir hier Schenck begleiten: die neuen anatomischen Arbeiten Apathys und Bethes, die auf experimentellen Wege gewonnenen Erfahrungen Bethes haben unsere Anschauungen soweit reformiert, dafs wir die Hypothese eines einheitlichen Neurons ruhig fallen lassen können, um uns nach anderen Erklärungsmöglichkeiten umzusehen, denen keine anatomischen und physiologischen Tatsachen direkt widersprechen. Am Schlüsse der überaus kritischen Betrachtung findet sich Schenck noch mit den Schwärmern für die Zelle als „Elementarorganismus“ ab. Implicite gehören ja die Freunde der Neuronlehre auch dazu. Gelingt es, nachzuweisen, dafs das Zusammenwirken der charakteristischen Zell¬ bestandteile einmal für eine physiologische Verrichtung nicht notwendig ist, dafs ferner die Zellgrenze für eben dieselbe Verrichtung keine wesent¬ liche Bedeutung besitzt, so ist der Begriff der Zelle als Elementarorganis¬ mus hinfällig. Aber gerade das Ankämpfen gegen das Neuron hat diesen Nachweis herausgefordert und hat ihn tatsächlich erbracht. Es ist charakteristisch für den geringen Einflufs, den die Neuronlehre auf die Nervenphysiologie ausgeübt hat, dafs man die Funktionen der Nervenelemente vollkommen darstellen kann, ohne das Wort „Neuron“ oder „Zelle“ herbeizuziehen. Die Zelle spielt bei den Vorgängen lediglich eine Rolle, die mit der Funktion als solcher nichts zu tun hat, sie ist das trophische Element, vielleicht auch die Stammmutter (? Ref.), die das Weiterbestehen der Funktion garantiert. Merzbacher (Strafsburgi.E.).