370 Litera turb er ich t. Im grofsen und ganzen wird man sagen müssen, dafs die gegebene Zusammenstellung und Charakteristik von Voraussetzungen, wie der mathematisch fafsbaren Grölsen, des einen, homogenen, unendlichen Raumes, der mechanischen Grundgesetze, des Energieprinzips u. s. w. eine zu¬ treffende ist. Es handelt sich hier in der Tat um Sätze, die auf der Er¬ fahrung ruhen, ohne doch Erfahrungssätze im engeren Sinn zu sein, um auf die Erfahrung angewandte Definitionen. Es entsteht nun freilich die Frage, wie wir im einzelnen dazu kommen, auf Grund der Erfahrung gerade diese Voraussetzungen als gültig anzusehen, gerade dieses Fundament der Wissenschaft zu errichten, eine Aufgabe, die im wesentlichen nur durch eine historisch-psychologische Darstellung zu lösen sein wird. An einzelnen Stellen deutet auch P. auf die Lösung dieser Probleme hin. In dem 4. Abschnitt, „de la nature;‘ überschrieben, handelt es sich im wesentlichen um die spezielleren Sätze und die spezifisch so genannten Hypothesen der Physik. Die Stellung, die P. ihnen gegenüber einnimmt, ist zu Anfang dieses Referats angedeutet worden. Durch Beispiele aus der Optik und Elektrodynamik wird das Gesagte illustriert, v. Aster (Berlin). Th. Elsenhans. Theorie des Gewissens. Zeitschr. f, Philosophie u. philosoph. Kritik 121 (1), 86—102. 1902; (2), 129—140. 1903. I. Das Wesen des Gewissens sucht E. in gewissen Gefühlen, die eine besondere Art der ethischen Gefühle seien, von diesen unter¬ schieden nur durch die Beziehung der in Frage stehenden Handlung auf das eigene Ich (91). Aus dem Begriffe der Handlung — im Gegensatz zur ethisch-indifferenten Bewegung — sucht er die weitere Bestimmung abzuleiten, dafs die Wirkung derselben auf andere Menschen, auf das Wohl und Wehe lebender Wesen, ein für das Gewissen charakteristisches Moment sei (93). Die Gewissensreaktion setze ein Sich-hineinfühlen in den Zustand der von der Handlung Betroffenen voraus (93). — Demgemäfs findet E. die allgemeinste Formulierung des Inhalts der Gewissens- äufserungen in dem Satze, „dafs diejenigen Handlungen die Billigung des Gewissens erfahren, bei welchen die Absicht des Handelnden auf das Wohl anderer Menschen gerichtet ist“, und umgekehrt (101). Das soziale Leben sei der Schauplatz des vom Gewissen gebilligten oder mifsbilligten Handelns (101). Das individuelle Lebensgefühl des Individuums erweitere sich zum höheren Gefühl für das Leben des sozialen Körpers, dessen Glied das Individuum sei (102). „Man könnte deshalb das Gewissen auch das soziale Gemeingefühl nennen“ (102). II. Zur Ergründung der Entstehung des Gewissens untersucht E. das Verhältnis des individuellen zum öffentlichen oder generellen Gewissen (129 f.). Im Gegensatz zu den empiristischen Theorien entscheidet er sich für die Annahme einer ursprünglichen generellen Gewissensanlage, die sich mit gleich guten Gründen halten lasse, wie die Annahme intel¬ lektueller Gattungsanlagen (133). Die historisch nun doch gegebenen Verschiedenheiten der Gewissensaussagen sucht er durch die Hypothese eines möglichen „Latentbleibens“ jener Anlage zu erklären (135). — Die Entwicklung der Gewissensanlage sei abhängig vor allem von der Stufe und Art des sozialen Lebens, als dem materiellen, von der In-