Literaturbericht. 351 sich der Physiologe die Eigenschaften der Strahlung aus, welche eine physiologische Wirkung, eine „spezifische Erregung“ hervorzurufen im stände sind. Da für eine sachgemäfse Bearbeitung physiologischer Probleme die Kenntnis der in Bestracht kommenden physikalischen Gesetze natürlich die Voraussetzung bildet, so wird der Inhalt des LüMMEßschen Vortrages jeden Physiologen, insbesondere jeden physiologisch-optisch arbeitenden, auf das lebhafteste interessieren. Man wird kaum wieder die neuesten An¬ schauungen und Ergebnisse des behandelten physikalischen Gebietes so anschaulich und in so enger Fühlung mit den Fragen der physiologischen Optik abgehandelt finden und so mag es manchem willkommen sein, wenn über diese im ganzen mehr physikalische Materie in dieser Zeitschrift ein eingehenderes Referat geliefert wird. Betrachten wir zuerst die wichtigsten physikalischen Strahlungsgesetze, so ist der Ausgangspunkt in der bekannten Tatsache gegeben, dafs bei spektraler Zerlegung eines Strahlungsgemisches nur ein verhältnismäfsig geringer Bereich von Wellenlängen, nämlich die von 400—700 f.ui das Auge spezifisch zu erregen im stände ist, dafs dagegen sowohl die ultraroten (Wärme-)Wellen wie auch die ultravioletten Strahlen wohl durch geeignete physikalische Apparate, Thermometer, Bolometer, photographische Platte etc., die langwelligen Strahlen auch durch den Temperatursinn, nicht aber durch das Sehorgan nachgewiesen werden können. Will man die gesamte Energie einer „Temperaturstrahlung“ nach Wellenlängen und Intensität, d. h. quali¬ tativ und quantitativ messend bestimmen, so sind Mefsapparate nötig, welche nicht auf Strahlen bestimmter Wellenlänge selektiv wie das Auge, sondern für alle Wellenlängen gleichmäfsig empfindlich, d. h. in allen Spektralorten proportional der auftreffenden Energie reagieren. Ein brauchbares, höchst empfindliches Mefsinstrument derart ist das von Lummes angegebene Bolometer, welches nach dem Prinzip der Thermosäulen konstruiert ist. Ferner mufs bei der spektralen Zerlegung des Strahlengemisches, d. h. bei der Ordnung der gemischten Energiestrahlen nach ihren Wellenlängen ein Prisma verwendet werden, welches alle Strahlen gar nicht oder gleich¬ mäfsig, nicht aber selektiv absorbiert. W7asser und Glas lassen zwar die Lichtstrahlen ungesehwächt durch, absorbieren aber sowohl im ultraroten, wie im ultravioletten Spektralgebiet die Energiestrahlen selektiv und sind deshalb für Energiemessungen unbrauchbar; dagegen genügen Prismen aus Flufsspat oder Sylvin den angegebenen Forderungen und sind deshalb für Zwecke der Energiebestimmung wohl verwendbar. Zerlegt man also mit einem solchen Prisma ein Strahlungsgemisch und führt das Bolometer von Ort zu Ort durch das Spektrum, so mifst man an jedem Spektralort die Energie der auf das Bolometer treffenden Strahlen und kann sich durch kurvenmäfsige Darstellung (Energie als Funktion der Wellenlänge) die Energieverteilung im Spektrum der betreffenden Strahlungs¬ quelle veranschaulichen. Die Grundlage aller physikalischen Betrachtungen über die Temperatur¬ strahlung bildet das Gesetz Kiechhoees, in welchem über die Abhängigkeit der Energiestrahlung von Temperatur und Wellenlänge ausgesagt wTird, dafs ein Körper bei jeder Temperatur diejenigen Wellensorten emittiert, welche er bei derselben Temperatur absorbiert, und dafs das Verhältnis von