296 Literaturbericht. •Mafse. Das weibliche ist im Vergleich zur Körpergröfse leichter. Zwischen der Masse der Muskulatur und dem Hirngewicht besteht ebenfalls eine deut- liehe Wechselbeziehung. Die Gehirne Geisteskranker weisen eine gröfsere Variations weite bezüglich ihres Gewichts auf als die Geistesgesunder. Diese gröfsere Tendenz zum Abweichen vom Mittelwert erklärt sich dadurch, dafs bei einzelnen Formen von Geistesstörung das Gewicht abnimmt, bei anderen zunimmt (Hirnhäute, Flüssigkeit!). Das Hirngewicht Geisteskranker ist überhaupt geringer; die leichtesten und schwersten Gehirne gehörten Geistes¬ kranken an. Auch die Intelligenz spielt eine Rolle. Das Gehirngewicht ist um so gröfser, je mehr geistige Fähigkeiten der Beruf seines Trägers¬ verlangt. Mit Zunahme der Schädelmasse wächst das Hirngewicht. Die Schädelbreite ist für das Hirngewicht von gröfserer Bedeutung als die Schädellänge. Bei Individuen, die an chronischen Krankheiten zu gründe gehen, ist das Hirngewicht kleiner als bei schnell zum Tode führenden Affektionen; die Todesart wirkt auf dem Wege der Blutstauung oder des Blutverlustes auf das Hirngewicht ein. Man sieht, das Hirngewicht wird durch die Kombination einer ganzen Reihe von teils in derselben Richtung wirkenden und sich unterstützen¬ den, teils sich abschwächenden Umständen bedingt. Ernst Schultze. Karl Gussenbauer. Anschauungen über Gehirnfunktionen. Inaugurationsrede. Wien u. Leipzig, Wilhelm Braumüller, 1902. 36 S. Mk. 0.80. Kurze Übersicht über die Anschauungen, welche man zu den ver¬ schiedenen Zeiten über das Wesen und die Bedeutung 'der Gehirntätigkeit hatte, Ausblick auf die Aufgaben der Zukunft und kurze Skizzierung der Entwicklung der geistigen Persönlichkeit. Ernst Schultze. M. Probst. Über den Hirnmechanismus der Motilität. Jahrbücher für Psych. u. Neurol. 1901. Verf. hat in einer grofsen Reihe von Versuchen Rindenabtragungen, Sehhügelverletzungen, Schweifkernverletzungen und Durchschneidung der inneren Kapsel, der vorderen und hinteren Zweihügelgegend, der Brücke, des verlängerten Markes und des Rückenmarkes an verschiedenen Tieren vorgenommen und die physiologischen Folgeerscheinungen geprüft. Später werden an den so operierten Tieren Reizungen der Grofshirnrinde und Kleinhirnrinde vorgenommen, um festzustellen, in welchem Mafse die ge¬ wöhnlichen Erscheinungen der Rindenreizung durch die gesetzten Läsionen verändert werden. Die Läsionen selbst und ihre anatomischen Folgen werden noch nachträglich an lückenlosen Serienschnitten bestimmt. Das wesentliche Ergebnis der Untersuchung besteht in dem im einzelnen durch¬ geführten Nachweis, dafs nicht ausschliefslich die Pyramidenbahn als Leitungsbahn für die Motilität in Betracht kommt, sondern auch die motori¬ schen Haubenbahnen, und dafs ferner die Pyramidenfasern einer Hemi¬ sphäre beide Körperhälften in einem gewissen Mafse innervieren. In Bezug auf die vielen mitgeteilten Einzelheiten der Versuche, die z. T. schon vom Verf. an anderen Stellen verwertet worden sind, mufs auf das Original verwiesen werden. Hier sei nur einiges hervorgehoben. An einer Katze, bei der rechts ein Mangel der Hirnschenkelfaser und einer Pyramide vor-