286 Litera turberich t. tat stellt N. den Traum hin : heterosexuelle Personen werden nur hetero¬ sexuelle, homosexuelle nur homosexuelle Szenen erleben. Nach N. ist es jedoch möglich, dafs ein in der Jugend ausgebildeter Kontraktationstrieb später in einen dauernden Zustand übergehen kann, ohne dafs eine ver¬ meintliche Veranlagung vorhanden zu sein braucht. Selbst da, wo eine ge¬ borene Anlage vorhanden ist, spielt der Grad derselben eine grofse Polle. Je gröfser dieser Faktor ist, um so leichter die Auslösung. Manche Forscher behaupten, dafs die Onanie Folge der Homosexualität sei (!). Nehmen wir an, dafs die Homosexualität stets angeboren sei, so ist sie also kein Laster, sondern nur eine andere Betätigung des Geschlechtstriebes, nur Betätigung einer Spielart der species und braucht durchaus nicht krankhaft zu sein. Überdies bezweckt der Geschlechtstrieb durchaus nicht allein die Fortpflanzung. Denn viele nützliche Eigenschaften beim Manne und beim Weibe haben in ihm ihren Grund. Aufserdem befinden sich gerade unter den Homosexuellen eine Reihe führender Geister. Dafs die Gattung Einbufse an der Menschenzahl erleidet, ist kein Fehler. Zudem wird Homosexualität als solche nur selten vererbt. Es gibt körperlich und geistig völlig normale Homosexuelle, gleich¬ wohl ist bei der Mehrzahl ein degenerativer Zustand nicht zu verkennen, so dafs man die Inversion als Stigma bezeichnen mufs. — Nach Ansicht des Ref. mufs man die Erscheinung der Homosexualität vom ökonomischen Gesichtspunkte aus betrachten. Sie ist als ein not¬ wendiges Korrektiv anzusehen, welches die Natur zu der Zeiten der Über¬ völkerung eines Landes trifft, um dadurch einer alizustarken Vermehrung der Bewohner vorzubeugen. Die Natur schafft in den Homosexuellen Indi¬ viduen, welche nicht auf Fortpflanzung ausgehen. Diese Individuen be¬ dürfen jedoch ebenso wie die Heterosexuellen der geschlechtlichen Er¬ regungen, falls nicht wichtige Eigenschaften, welche im Geschlechtsgefühl wurzeln, wie die Menschenliebe, Vaterlandsliebe u. s. w., auch höhere geistige Anlagen verkümmern sollen. Als Gefahr für den Staatskörper kann die Homosexualität nicht bezeichnet werden, weil sie nicht erblich ist, wie oben behauptet wurde, und weil sie nur da Wurzel fafst, wo angeborene Neigung vorhanden ist, sonst aber wieder verschwindet. Als gemeingefähr¬ lich dürften Homosexuelle ebenso wie Heterosexuelle und Gewohnheits¬ trinker nur erst dann angesehen werden, falls sie ihrem Triebe im Über- mafs huldigen. Dafs viele von ihnen allmählich krank werden, ist bei der fortgesetzten Besorgnis um ihre Ehre, Stellung u. s. w. nicht zu ver¬ wundern. Sie würden vielleicht abgesehen von ihrer verkehrten Neigung normal geblieben sein, wenn § 175 des Strafgesetzbuches nicht drohte. Um diese Frage zu entscheiden, könnten die Spezialforscher sich jedenfalls Aufklärung verschaffen, wenn in anderen Staaten, wo dieser § nicht besteht, statistisch festgestellt würde, wie viele von den notorisch Homosexuellen normal und wie viele von ihnen abnorm sind. Wie man einen unreifen oder kranken Apfel nicht geniefsen und sich auch einen gesunden Apfel nicht widerrechtlich aneignen darf, so darf man auch kein unreifes oder geisteskrankes Individuum geschlechtlich gebrauchen, noch durch Vor¬ spiegelung oder Gewalt zum Akt nötigen. Wie man aber einen gesunden