Li ter a turb er ich t 279 «chliefslich emotionellen Wert. Oder sie verbinden sie in der Weise, dafs ■dieselben ihren bestimmten Sinn verlieren und etwas Mysteriöses zum Aus¬ druck bringen. Oder sie gebrauchen veraltete Worte. Die Werke der Symbolisten zeigen veränderliche Dispositionen, momentane Synthesen, flüchtige Reihen von Seelenzuständen von Eindrücken, welche nicht unter¬ einander verbunden sind. Drittens gehört auch der Mystizismus, und zwar der metaphysische und poetische hierher. Der Mystizismus ist gekennzeichnet durch das Wachsen des inneren Lebens und den Verzicht auf die weltlichen Interessen. Hierbei finden Irradiationen der Einbildungskraft statt, nach 3 Richtungen hin : sensoriell als visuelle und akustische Halluzinationen, organisch als Modifikationen des organischen Lebens, welche zerstörend oder heilend ■wirken und rein psychisch als Schilderungen der hauptsächlichsten reli¬ giösen Ereignisse, des Lebens der Heiligen u. s. w. Letztere Schilderungen sind mehr oder weniger „Transfigurationen der Liebe“, sentimentale Träumereien. Das Leben solcher Mystiker ist wie ein poème vécu. Offen¬ bar gehören diese romans d’amour der Mystiker zu der affektiven Ein¬ bildung. Wir können noch weiter zurückgehen. Auch das gewöhnliche Leben bietet affektive Schöpfungen: Die Träume eines Liebenden, die krank¬ haften Romane Hypochondrischer über ihre Leiden und Ähnliches. Giessler (Erfurt). E. Paulham. La simulation dans le caractère. IL La fausse sensibilité. Rev. philos. 53 (5), 457—488. 1902. Die Charakterologie gehört zu denjenigen Zweigen der Wissenschaft, welche am langsamsten vorwärts schreitet. Es hat dies darin seinen Grund, ■dafs die bezüglichen Forschungen eine genauere Menschenkenntnis und •daher eine häufigere und innigere Berührung mit Menschen aller Art er¬ fordern, wozu die meisten Stubengelehrten nicht neigen. Eine rühmliche Ausnahme hiervon macht Paulham. Er hat der Charakterologie schon manche feine Studie geliefert, -wobei er sich auf umfassendes Beobachtungs- material zu stützen pflegt. Verf. stellt in der vorliegenden Folgeabhandlung dem „falschen Kalt¬ blütigen“ den „falschen Empfindlichen“ gegenüber. Jener simuliert In¬ differenz, dieser Empfindlichkeit. Die erdichtete Empfindlichkeit hat als Grundlage die Sorge für die persönliche Verteidigung. Die Empfindungen •der Umgebung nicht zu teilen, ist eine mifsliche Sache. Man ist daher oft genötigt, in den Augen anderer Personen Gefühle zu heucheln, -welche man in Wirklichkeit nicht hat. Durch solche Lügen und Täuschungen hält sich .aber die Gesellschaft. Bisweilen glaubt man die eingebildeten Gefühle wirklich zu haben. Dies kann so weit gehen, dafs jemand, der sich für mutig oder für freigebig hält, sich in Wirklichkeit wie ein Feigling oder iwie ein Geizhals benimmt. In solchen Fällen hat sich die Seele gleichsam geteilt. Die Elemente, welche in einem gegebenen Momente die Seele be¬ herrschen, sind in z-wei Gruppen geteilt, von denen die eine die Seele und •das Benehmen -weiter dirigiert, die andere sich vorgefafsten Ideen assoziiert hat, um im Ich die Mifstöne wegzuschaffen.