266 Litera turb er ich t. Unterschätzung der psychologischen Leistungen des 18. Jahrhunderts ent¬ gegentritt. Aber gerade weil wir in vielen Punkten seiner Ausführungen Ansätze später bedeutsam gewordener Probleme finden — ich erinnere nur an die Gegenüberstellung der sinnlichen und intellektuellen Aufmerksam¬ keit (attention und reflection), an die Untersuchungen über Dauer, Stärke und Umfang der Aufmerksamkeit, an die Beziehung der Lust- und Unlust¬ gefühle zur Aufmerksamkeit als ihrer Wirkung einerseits, ihrer conditio sine qua non andererseits, an den Zusammenhang der A. mit den Willens¬ phänomenen u. s. w. — gerade deshalb würden wir eine Kritik für wünschenswert halten, welche diese wertvollen Keime aus der Vermengung mit Unklarheiten und unrichtigen Auffassungen heraushöbe. Vom Standpunkt des Historikers dagegen, sowie von dem des material¬ suchenden Psychologen aus bedeutet das in Kede stehende Werk eine be¬ merkenswerte Leistung. Mit aufserordentlichem Fleifs hat der Verf. die vorliegende Literatur durchforscht, und in dem beigegebenen Quellen- und Literaturverzeichnis führt er nicht weniger als 183 Werke auf. Die ge¬ wählte Anordnung bringt es dabei mit sich, dafs wir nicht, wie dies bei derartigen historischen Arbeiten sonst meist nicht ausbleibt, durch be¬ ständige Wiederholungen gelangweilt werden, sondern ein lebhaftes Bild einer geistigen Gesamtarbeit erhalten, ausgezeichnet durch zahlreiche feine Beobachtungen, die bei der wechselnden Beleuchtung desselben Gegen¬ standes vom Standpunkt verschiedener Autoren aus sich ergeben. Düek (Würzburg). J. Rehmke. Wechselwirkung oder Parallelismus? Phil. Abh., G-edenkschr. für Rudolf Haym, S. 99—156. Halle, Kiemeyer, 1902. Die vorliegende Arbeit zerfällt im wesentlichen in drei Teile. Der erste, einleitende, behandelt den Begriff der Veränderung, bestimmt den¬ selben als „Wechsel in der Bestimmtheitsbesonderheit eines Einzelwesens“, und fügt hinzu, dafs ein Einzelwesen niemals von selbst, sondern stets nur durch die Wirkung eines anderen Einzelwesens sich verändern könne. Der zweite Teil kritisiert die verschiedenen Formen des Parallelismus: gegen den realistischen P. wird angeführt, dafs Seelisches und Leib¬ liches, weil gesondert denkbar, nicht Bestimmtheiten eines Einzelwesens sein können, sowie auch, dafs ein solches Verhältnis den Zusammenhang der beiderseitigen Veränderungen nicht erklären würde; der phäno- menalistische P. scheitere an der Heterogeneität der beiden Er¬ scheinungsarten, sowie an dem Widerspruch, dafs das Bewufstsein oder die Seele als eine Wirkung in die Seele dargestellt werde ; der idealistische P. endlich erfordere ein Sichselbstverändern eines Einzelwesens, erstens bei der Aufeinanderfolge psychischer Prozesse, und zweitens bei der (als möglich vorauszusetzenden) Wahrnehmung eigener Gehirnerscheinungen, da dieselben, wenn sie keine direkte sondern eine vermittelte Wirkung eigener Bewufstseinsvorgänge wären, Erscheinungen des vermittelnden Wesens, nicht aber der eigenen Seele sein wTürden; drittens aber müsse er mehr¬ fach den Erscheinungen eine Einwirkung auf das Seiende zuschreiben, was ungereimt sei. Der dritte Teil erörtert die Beziehungen der vor¬ liegenden Frage zum Energieprinzip; der Verfasser schlägt für diejenigen