Literaturbericht. 125 knüpft zn erhalten, der Gedankengang wird vom Ziele abweichen, wir er¬ halten schliefslich den Zustand der Manie. Umgekehrt, sind die nervösen Elemente schwerer erschöpfbar, so wird ihre Nachfunktion länger als normal andauern. Alle kommenden Vorstel¬ lungen bleiben fest mit der Ausgangsvorstellung verknüpft; und wenn die nervösen Elemente auch noch schwer erregbar sind, so werden sie auf assoziative Reize schwer ansprechen, der Gedankengang vermag nicht zu Neuem fortzuschreiten, er bleibt immer an einer Stelle stehen, wir kommen schliefslich zur Melancholie. Moskiewicz (Breslau). R. Cestan et P. Lejonne. Troubles psychiques dans un cas de tumeur du lobe frontal. Revue neurologique 9 (17), 846—852. 1901. Bei unserer geringen Kenntnis von den physiologischen und psycho¬ logischen Funktionen des Stirnhirnes und bei der Unmöglichkeit, gerade hier die Resultute der Tierversuche auf den Menschen zu übertragen, ist man allein auf die klinischen Beobachtungen angewiesen, so dafs jeder gut beobachtete Fall von Stirnhirnerkrankung von grofsem Vorteile sein kann. Aus diesem Grunde geben die Verf. eine ausführliche Schilderung eines solchen Falles. Die Beschwerden begannen bei der 33 jährigen Patientin mit Kopf¬ schmerzen, Erbrechen, epileptiformen Anfällen, vom Typus der Jackson- schen Epilepsie im Gesicht beginnend, dann zu Arm und Bein fortschreitend. Diese Störungen liefsen allmählich nach, dafür trat allmählich infolge beiderseitiger Sehnervenatrophie völlige Erblindung ein. Das letzte und wichtigste Stadium bildeten motorische und psychische Symptome. Es ent¬ wickelte sich rechts eine zerebrale Lähmung; gleichzeitig machten sich psychische Veränderungen bemerkbar. Während bis zu dieser Zeit all¬ gemeine geistige Indifferenz und fortwährende Neigung zum Schlafe bestand, als charakteristisches Symptom von Hirndruck, machte jetzt dieser Zustand einer dauernden Euphorie Platz. Pat. lachte fast immerzu, klagte über keinerlei Beschwerden, fühlte sich vollkommen wohl. Jede angestrengtere geistige Tätigkeit vermied sie; Fragen, die sie alle verstand, beantwortete sie nur, wenn sie sich dabei nicht anzustrengen brauchte. Die Erinnerung war für die ganze Zeit ihrer Erkrankung völlig geschwunden, auch wohl nur eine Folge der Unfähigkeit, sich geistig anzustrengen ; denn die Fähig¬ keit des Wiedererkennens war völlig erhalten. Die Intelligenz war ver¬ mindert, es bestand völlige gemütliche Indifferenz; Gleichgültigkeit gegen ihre Eltern etc. Nach einjähriger Krankheit starb sie. Die Sektion ergab einen etwa orangegrofsen Tumor von der histologi¬ schen Beschaffenheit eines Sarkomes im linken Frontallappen. Charak¬ teristisch für diesen Fall ist die Art der geistigen Störung: keine Demenz, keine Benommenheit, im Gegenteil Euphorie, dabei Gefühlsanomalien und völlige Unfähigkeit, sich geistig anzustrengen. Es wird hierdurch die Ansicht vieler Forscher, dafs Stirnhirntumoren mit Charakterveränderungen einhergehen, bestätigt. Moskiewicz (Breslau).