80 Literaturbericht. Raffael; die Originalzeichnungen seines Geistes sind aber schlechte litho¬ graphische Zeichenvorlagen, wie sie überall käuflich sind. Ein Anhang enthält den Bericht eines Arztes über eine spiritistische Sitzung, dessen eingehende und scharfe Kritik dartut, mit welcher Vorsicht die Mitteilungen über angeblich supranormale Leistungen aufzunehmen sind. Ernst Schultze (Andernach). E. Mendel. Leitfaden der Psychiatrie. Für Studierende der Medizin. Stutt¬ gart, Ferdinand Enke. 1902. 250 S. Die Veranlassung zu der Herausgabe des vorliegenden Buches war für Verf. das Fehlen eines kurzgefafsten Lehrbuches der Psychiatrie ; eines solchen bedarf der junge Mediziner, nachdem die neue Prüfungsordnung den Besuch einer Vorlesung über Psychiatrie und eine Prüfung auf dem Gebiete der Irrenheilkunde im Staatsexamen vorgeschrieben hat. Diesem Umstande trägt das Buch in vollstem Mafse Rechnung ; es ist vor allem auf die rein praktischen Bedürfnisse zugeschnitten, läfst noch nicht abgeschlossene Fragen, an denen es bei uns wahrlich nicht fehlt, bei¬ seite, bringt vielmehr nur sicher Festgestelltes, hier und da mit Rücksicht auf didaktische Interessen fast zu schematisch. Grofser Wert wird diffe¬ rentialdiagnostischen Erörterungen, sowohl im allgemeinen wie im speziellen Teile, beigelegt; in einer gerade für den Anfänger lehrreichen Weise wird auseinandergesetzt, welch verschiedener Wert diesem oder jenem Symptom, wie der Schlafsucht, der Sprachlosigkeit, der periodischen Trunksucht bei¬ zumessen ist. Mit Absicht unterläfst Verf. die Aufnahme von Kranken¬ geschichten, die, so trefflich sie auch sein mögen, niemals die Natur er¬ setzen. Aber zahlreich eingestreute und geschickt verwertete eigene Be¬ obachtungen lassen die reiche Erfahrung des Verf.s erkennen, der dank seiner knappen Ausdrucksweise und vielfacher Anwendung von kleinem Druck in dem vorliegenden Buche viel, recht viel vereinigt hat. Deshalb wird das Buch auf eine gute Aufnahme gerade in den Kreisen rechnen können, für die es bestimmt ist. Ernst Schultze (Andernach).