66 Literaturbericht. E. W. Scripture. A Safe Test for Color Vision. Yale Psychol. Ldborat. 8, 1—20. 1900. DerVerf. sacht zu zeigen, dafs die Methoden, nach welchen gemeinhin an Bewerbern um Steilungen an der Eisenbahn oder in der Marine Farben¬ prüfungen angestellt werden, durchweg unzureichend sind, insofern durch diese Methoden (Wollfarben und Gläser) wohl auffallende Defekte, nicht aber solche geringeren Grades, die aber nichtsdestoweniger schwere Folgen nach sich ziehen können, mit Sicherheit festzustellen seien. S. verlangt, dafs solche Prüfungen unter Bedingungen ausgeführt werden, die sich möglichst denen nähern, unter welchen die betreffenden Personen in ihrem Dienste Farben zu erkennen haben, dafs die zu beurteilenden Gegenstände denen der Praxis ähnlich sind, dafs die Farben vom Beobachter genannt und dafs endlich Untersuchungen über die Fähigkeit Farben zu unter¬ scheiden angestellt werden. — Der Verf. schlägt für derartige Prüfungen einen von ihm konstruierten Apparat vor, den er als „Color Sense Tester“ bezeichnet. Das einem Ophthalmoskop ähnliche Instrument findet sich in der vorliegenden Arbeit in zwei Formen abgebildet und beschrieben. In seiner einfacheren Form besteht der Apparat im wesentlichen aus zwei übereinander verschiebbaren und mit Glasfenstern versehenen Scheiben, wodurch für die Farben Rot und Grün im ganzen 36 Verbindungen mög¬ lich sind. Hierzu kommt noch eine einsetzbare Schlittenvorrichtung, welche sowohl quantitative Bestimmungen nach der DoxDERsschen Methode wie Untersuchungen über Defekte zentraler Netzhautstellen zuläfst. — In seiner zweiten, komplizierteren Form gestattet der Apparat eine weit gröfsere Variation und Kombination von Farben und Helligkeitsgraden. Die Arbeit schliefst mit theoretischen Erörterungen über den Farben¬ sinn und die verschiedenen Grade der Farbenblindheit. Kiesow (Turin). Max Wentscher. Ethik. I. Teil. Leipzig, J. A. Barth. 1902. 368 S. M. 8,50. Die Aufgabe der Ethik besteht, wie der Verf. in der Einleitung her¬ vorhebt, darin, die Ziele und Ideale eines möglichen Wollens aufzustellen, das noch in keiner Erfahrung gegeben ist. Die Ethik sei eine Idealwissen¬ schaft, indem sie ihre Gesetze nicht nachträglich, gleichsam registrierend, sondern als richtunggebend und Ziele weisend für Künftiges, Mögliches aufstelle. Nicht der Pflichtbegriff, sondern der Freiheitsbegriff nehme alles