124 Literaturbericht. construire, aus völlig zusammenhangslosen Einzelerlebnissen bestehe und durchaus unbeschreibbar sei einer ernsten und, wie uns scheint, berech¬ tigten Kritik. Auch die These Münsterberg’s, dafs der Erkenntnifswerth der Causalität lediglich in der vollständigen Zurückführung auf Identitäten bestehe, weist der Verf. zurück. Werden die kritischen Resultate Cohns (namentlich hinsichtlich der Zusammenhangslosigkeits - These) anerkannt, so hat man damit die Möglichkeit einer empirischen Psychologie als selb¬ ständiger Missenschaft neben der Physiologie und Physik zugestanden —• und eben diese Möglichkeit hatte Münsterberg mit unleugbarem Scharf¬ sinn zu bestreiten unternommen. Kreibig ('Wien'. T. Loveday. Theories of Mental Activity. (I). Minci, N. S., 10 (40), 455-478. 1901. Yerf. bespricht Lücken und gelegentliche Unklarheiten, die er be¬ sonders bei Ward’s grofsen Artikel in der Encyclopaedia Britannica sowie in dessen Buch Naturalism and Agnosticism betreffs der Frage nach dem Wesen der Activität gefunden hat, und setzt sich weiterhin mit Stout’s Theorie auseinander, wie sie in dessen Analytic Psychology, im Manual of Psychology und im Mind. 11 (1886) vorliegt, speciell über Activität und Activitätsbewufstsein (Activitätsgefühl), Activität und Ziel, endlich Versuch, Aufmerksamkeit und Gefühl. M. Offner (München). S. R. Steinmetz. Der erbliche Rassen- und Yolkscharakter. Yierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie, N. F., 1 (1), 77—126. 1902. Der frisch geschriebene Artikel bezweckt die übersichtliche Anführung der wesentlichen Schwierigkeiten im Rasseproblem, nicht eigentlich die Vertheidigung einer speciellen neuen Lösung. Die Frage, was die Rasse für eine bestimmte Cultur bedeute, ist seit Gobineau nicht zur Ruhe ge¬ kommen und durch Chamberlain und De Lapouge neuerdings in empha¬ tischer V7eise zur Discussion gestellt worden. WTährend die Genannten in der Rasse und ihrem erblichen psychisch-somatischen Charakter den Hauptfactor specieller Culturgestaltung erblicken, vertreten Spencer, Robertson und die Marxisten den Gedanken, dafs die Culturgestaltung aus- schliefslich das Product der natürlichen und geschichtlichen Umgebungs¬ einflüsse sei. Der Verf. zeigt, dafs eine wahrhaft befriedigende Definition der Rasse noch ausstehe. WTeder die Sprache, noch somatische Merkmale (z. B. Breit- und Langköpfigkeit), weder elementare noch distributive psychische Eigenthümlichkeiten haben sich als allgemeingültige Ein- theilungsprincipe der Rassen bewährt. Andererseits ist aber auch den Vertretern der Milieu-Causalität der Nachweis der Bedeutungslosigkeit von Rassedifferenzen für die Culturgestaltung und der Alleinherrschaft der localen und historischen Anpassung durchaus nicht geglückt. Nach wie vor steht die Kernfrage offen, welche der Verf. in der hübschen Zuspitzung wiedergiebt: Wenn unsere Säuglinge (bei sonst gleichbleibenden Um¬ ständen) mit chinesischen vertauscht würden, erhielte unsere Cultur ein wesentlich anderes Gepräge? Der Verf. zieht aus eingehenden Erörterungen den Schlufs, dafs es aus biologischen Gründen erbliche Rassencharaktere gebe, welche von