Literaturbericht. 64 Verhältnisse. Ein eingehendes Referat dieses Theiles der Arbeit verbietet sich von seihst. Für jeden, der auf dem Gebiete der vergleichenden Anatomie und Physiologie des Säugethierauges arbeitet, wird Johnson’s Werk un¬ entbehrlich sein, da es wichtige Beobachtungen am lebenden Thier, nicht nur betreffs des Augenhintergrundes, sondern auch über das Verhalten der Pupille, der Lider, über Augenhewegungen und noch mancherlei besondere Verhältnisse der einzelnen Augen enthält. Die Untersuchungen waren natürlich oft mit bedeutenden Schwierig¬ keiten verbunden; über diese oder jene der angewandten Methoden um gröfsere Thiere, z. B. Löwe, Seelöwe, Nashorn u. s. w., untersuchen zu können, haben ja sogar die Tageszeitungen die sensationslustige Welt unterrichtet. Der zweite Theil der Arbeit enthält in elf Capiteln Erörterungen über eine Reihe von Fragen, die allgemeines Interesse verdienen, und von denen über die wichtigsten berichtet werden soll. Die Entstehung der Farben des Augenhintergrundes im Allgemeinen und des Tapetum lucidum im Besonderen, ist nach des Verf. Ansicht so zu erklären, dafs bei den Thieren, die kein Tapetum lucidum haben, das reflectirte Licht des Chorioidealpigmentes es ist, welches die Farben hervorruft, nicht etwa das Blut der Chorioidealgefäfse. Bei den Thieren mit einem Tapetum cellulosum (also besonders bei den Raub thieren), soll die Farbe durch das „retinal pigment“,1 das unter dem Einflufs des Lichtes bleicht, zu Stande kommen, die Zellschichten des Tapetum cellulosum sind, nach Johnson’s Angabe, undurchsichtig und farblos. Noch anders ist die Entstehungsweise der Farben des Tapetum fibrosum, das bei Ungulaten so verbreitet ist. Hier haben die Faser¬ züge des Tapetum eine Eigenfarbe, welche auch dementsprechend nicht unter dem Einflufs des Lichtes verschwindet, wie Verf. es für das Tapetum cellulosum angiebt, sondern auch am conservirten Auge zu sehen sind. Allerdings verändert sich auch hier die Farbe des Augen¬ hintergrundes postmortal etwas, indem die Farbe des auch hier vor¬ handenen Retinalpigmentes allmählich bleicht und so nur die Eigenfarbe des Tapetum fibrosum allein übrig bleibt, während sie sich am lebenden Thier mit der des pigmentirten Aufsenblattes der Retina mischt. Nach der Farbe, die der Augenhintergrund im Augenspiegelbilde zeigt, unterscheidet Verf. drei Typen desselben, die sich aber durchaus nicht mit den drei Arten der Entstehung der Farben decken, die eben beschrieben wurden. Die Typen sind: 1. Der rothe Typus, zu dem auch der Mensch und überhaupt 1 Verf. hat in einer früheren Arbeit „Observations on the macula lutea“ (im „Archives of Ophthalmology“ 1895), darauf hingewiesen, dafs in dem Pigmentblatt der Retina beim Menschen zwei Arten von Pigment Vorkommen, ein körniges nach aufsen gelegenes und ein nadelförmiges nach innen gelegenes ; nur letzteres führt unter dem Einflufs des Lichtes Bewegungen aus. Das gleiche Verhalten fand Johnson jetzt bei allen darauf von ihm untersuchten Säugethieren.