316 Literaturbericht. der, dais die Kältenerven oberflächlicher als die Wärmenerven endigen.“ Verf. nimmt aufserdem an, dafs die Kältenervenenden nach der Vor¬ erwärmung für Wärmereize reizbarer geworden sind. Was nun die Ursachen der Entstehung einer überwiegen¬ den Schmerzempfindung bei einer gewissen Wärmereizung betrifft, so werden diese in einer oberflächlicheren Lage der schmerz- perzipierenden Elemente vermutet, die zur Hervorbringung der Erscheinung notwendigen hochgradigen aber dünnen Reizlamellen sind eben ganz be¬ sonders geeignet, die oberflächlichsten Schichten der Haut besonders kräftig zu reizen. Die fernerhin notwendige Abkühlung der Haut soll die Reizbarkeit der Wärme- und Kälteapparate so herabsetzen, dafs von ihnen bei dieser Art oberflächlicher Reizung höchstens die Wärmeapparate als die empfindlicheren ansprechen. Nach des Verf. Annahme liegen demnach die Schmerznerven¬ enden am oberflächlichsten und sind für Wärmereize am wenigsten reizbar, es folgen dann die Kälteapparate als reizbarer für Wärme, aber tiefer gelegen und schliefslich die Wärmeapparate, die am tiefsten angeordnet, für Wärme aber am reizbarsten sind. Verf. verwertet nun seine Annahme für die Erklärung der ver¬ schiedenen Apperzeptionszeiten der hier in Frage kommenden Sinnes¬ apparate. In dem 2. Abschnitt der Arbeit erhebt Verf. die Frage: „Ist die Wärme ein adäquates Reizmittel für die Kälteendorgane?“ Bevor an die Beantwortung der Frage herangetreten wird, sucht Verf. den Beweis zu erbringen, dafs es sich in den Versuchen des 1. Abschnitts der Arbeit nicht um Reizung der mit den Kälteapparaten in Verbindung stehenden Nerven handelt, sondern um Reizung der Kälteapparate selbst. Das gehe schon daraus hervor, dafs bei Wärmereizen Kältesensationen ohne Schmerzgefühl erhalten werden und Schmerzgefühl müfste doch zu¬ nächst auftreten, da die Schmerznerven am oberflächlichsten liegen. Aufser¬ dem hat Verf. in einer früheren Arbeit nachgewiesen, dafs der Schmerz schon durch so geringe Wärme hervorgerufen wird, dafs es sich hier un¬ möglich um Nervenreizung handeln kann. Es mufs daher die Wärme auf die Kälteapparate selbst wirken und zwar liegt nach des Verf. Versuchen die untere Grenze für das Auftreten der isolierten Kälteempfindung auf Wärmereiz, nach Abkühlung der Haut bei 35°, eine obere Grenze existiert nicht, es können auch die höchsten Temperaturen, soweit sie anwendbar sind, die Erscheinung deutlich hervorrufen. Dafs Wärme also die Kälteapparate reizt, ist Verf. nicht mehr zweifel¬ haft, ob es sich aber dabei um einen adäquaten Reiz handelt mit dem Nutzen, durch die gleichzeitig auftretende Kälteempfindung den Grad der Wärmeempfindung besser zum Bewufstsein zu bringen, diese Frage läfst Verf. zunächst noch offen. K. Bürker (Tübingen). H. R. Marshall. The Unity of Process in Consciousness. Mind, N. S. 11 (44), . 470—502. 1902. Verf. setzt sich zur Aufgabe, die Ergebnisse vorzuführen, zu denen man gelangt, wenn man bei Betrachtung des Verhältnisses zwischen Leib und