Li ter a turberich t. 157 schmäht, macht sich denn auch bei H. tatsächlich überall geltend. Schon die Annahme, dafs es aufser dem eigenen Ich noch andere Subjekte des Erkennens gebe, für welche dieselben Denkgesetze verbindlich und mafs- gebend sind, ist eine auf H.s prinzipiellem Standpunkte unerlaubte dogmatisch-metaphysische Voraussetzung, durch die er den logischen Ge¬ setzen bereits eine Art ontologischer Gültigkeit vindiziert. Es bedarf nur noch eines weiteren, nunmehr nicht mehr zu untersagenden Schrittes, um sie zu metaphysischen Weltgesetzen zu machen, eine Konsequenz, die auch bei H. gelegentlich zum Durchbruch kommt, z. B. wenn er die logischen Gesetze zur essenziellen Ausstattung des Seienden gehören läfst (II, 670). Auf die logisch - erkenntnistheoretischen Einzelheiten (ich kann hier ungeachtet der prinzipiellen Verschiedenheit unserer Standpunkte H. doch in vielem beistimmen) kann ich, wie gesagt, nicht eingehen; die hier von H. verfochtenen Ansichten müssen sich ohnehin in der Bearbeitung der Logik selbst, welche das vorliegende Werk vorbereiten will, erst bewähren, ehe ein endgültiges Urteil über sie gefällt werden kann. Zum Schlufs sei bemerkt, dais es H. dem Leser nicht eben leicht macht, in seine Ansichten und Absichten einzudringen. Eine bei allem — oft recht spintisierenden — Scharfsinn ziemlich schwerfällige und bei aller Umständlichkeit und Breite doch nicht selten recht undurchsichtige Darstellung, dazu eine zum Teil neue, vielfach nicht eben glücklich gewählte Terminologie erhöht die schon in der Natur der behandelten verwickelten Probleme selbst liegenden Schwierigkeiten des Verständnisses beträchtlich und stellt die Geduld des Lesers, der sich durch die zwei Bände, namentlich durch den zweiten durch¬ zuarbeiten bemüht, des öfteren auf eine harte Probe. L. Busse (Königsberg i. Pr.). 0. M. Giessler. Die Grundtatsachen des Traumzustandes. Allgemeine Zeit¬ schrift für Psychiatrie 58, 164—182. Das Charakteristische im Seelenleben des Traumes ist der Zustand der Passivität, der den Willen des Träumenden bei den Szenen und Ereig¬ nissen des Traumes ausschaltet. Es fällt uns zunächst ein Zerfall und Pückgang aller komplizierten Gebilde im Traume auf; der Zerfall bei der Bildung einzelner Vorstellungen zeigt sich besonders darin, dafs bei der Reproduktion die Synthesis der Einheitlichkeit fehlt. Während im wachen Zustande die wesentlichen Merkmale von Vorstellungen gegenüber den unwesentlichen in den Vorder¬ grund treten, miteinander verschmelzen und so dem Vorstellungskomplex das charakteristische Gepräge geben, fällt im Traume der Unterschied zwischen wesentlichen und unwesentlichen Merkmalen fort, oft treten letztere an die Stelle der ersteren, oft schwinden die Merkmale bis auf einige wenige ganz, unwesentliche Merkmale treten füreinander ein und so bekommen die Vorstellungen ganz andere Bedeutungen. Auch der Traumleib unterscheidet sich wesentlich von dem Leibe im wachen Zustande. Die Grundlagen des Traumleibes bilden in abnormem Zustande befindliche Organe und kleine Komplexe merklich erregter, peri¬ pherer Organe. An diesen reduzierten Leib werden nun vom Träumen-