140 Literaturbericht. keit in den begangenen Fehlern erstreckte sich besonders auf eine Ver¬ kürzung der Höhen der gezeichneten Dreiecke, auf Unterschätzung der spitzen und Überschätzung der stumpfen Basiswinkel, auf Verschiebungen der Dreiecksspitzen, wie endlich auf eine Bevorzugung und Vernach¬ lässigung bestimmter Formen. Der Verf. hebt endlich nochmals hervor, dafs die bevorzugten Formen ästhetisch wohlgefällige sind und er schliefst die Abhandlung damit, dafs er den Grund für die Übereinstimmung in dem Urteil über die wohlgefälligen oder mifsfälligen Formen ebenfalls in den Bewegungsgesetzen der Augen sieht. Eine beigegebene Tafel erleichtert das Verständnis der Ausführungen. Kiesow (Turin). Vaschide et Vurpas. Le vertige psychique. Bev. de mêd. 22 (5), 480—484. 1902. Unter den Namen Schwindel werden die verschiedensten Phänomene zusammengefafst. Verf. bezeichnen als vertige psychique folgenden Zu¬ stand : gewisse Menschen werden, sobald sie aus einer gewissen Höhe nach unten blicken, von einem allgemeinen Unbehagen befallen ; sie können, so¬ lange sie den erhöhten Standpunkt einnehmen und .herabblicken, nichts anderes denken, als dafs sie selbst herabfallen, und müssen sich dabei in einem fort ausmalen, wie sie unten ankommen, blutüberströmt, mit ge¬ brochenem Schädel, herausfliefsendem Gehirn u. s. w. Dieselbe Empfindung haben sie auch, wenn sie einen anderen in der Höhe sehen, im Luftballon, auf dem Trapez oder dergl. Dabei ist ihr Gesichtssinn nicht, wie sonst beim gewöhnlichen Schwindel, alteriert. Die Gegenstände um sie herum behalten den ihnen zukommenden Platz in Baum, bewegen sich nicht in vertikaler oder horizontaler Ebene, wie man es sonst beim Schwindel zu sehen meint. — Es handelt sich in solchen Fällen um Degenerierte. Das Phänomen gehört zur Klasse der psychischen Stigmata; eine übermächtige Idee beherrscht plötzlich das ganze Bewufstsein. Ähnlich also wie bei der Agarophobie. Umpfenbach. Fe. Lindig. Über den Einflufs der Phasen auf die Klangfarbe. Ann. d. Physik (4.), 10, 242. 1903. Die Frage, ob beim Zusammenklingen mehrerer Töne deren gegen¬ seitiger Phasenunterschied die Klangfarbe beeinflufst, ist zum ersten Male von H. von Helmholtz aufgeworfen worden. Er entschied die Frage bezüg¬ lich der Klangfarbe der Vokale, indem er eine Beihe elektrisch erregter Stimmgabeln mit davorstehenden Besonatoren gleichzeitig tönen liefs. Phasenverschiebung erreichte er durch Schwächung der Besonatoren oder schwache Verstimmung der Stimmgabeln und kam zu dem Besultat, dafs die Phasenverschiebung der Tonkomponenten ohne Einflufs auf die Klang¬ farbe ist. Gegen die HELMHOLTzschen Versuche wurde eingewendet, dafs die Empfindlichkeit der Methode nicht ausreichend sei. Hierauf unter¬ suchte B. König die Phasenwirkung mit einer Wellensirene, indem er dem Band einer Metallscheibe die Form einer Sinuskurve gab, gegen den Band derselben einen Luftstrom durch einen Spalt blies und die Scheibe in Botation versetzte. Wurden gleichzeitig zwei Scheiben angeblasen, und standen die Tonhöhen beispielsweise im Verhältnis der Quinte zum Grundton,, so zeigte sich, dafs durch Verschieben des die zweite Scheibe anblasenden