Literaturbericht. 295 definitiv wird Eine Tendenz ist eine Kraft, welche nach dem Grade des Schmerzes gemessen werden kann, den ihre Unterdrückung verursachen würde. Verf. findet, dafs unsere Entschlüsse geregelt werden je nach der Differenz der Energieen unserer Wünsche. Er kommt dabei auf logische Erörterungen. Einen Abschnitt widmet Verf. der Auseinandersetzung über den Unterschied von Wünschen und Wollen. Unser Wollen hängt oft von äufseren Umständen ab, unser Wünschen nicht. Die Kraft des Entschlusses kann gemessen werden an der Grö se der besiegten Wünsche, an der Energie der hervorgerufenen Bewegungen, an der Dauer und Beharrlichkeit bei Krankheiten, welche das Denken schwächen. Bestimmend für die Kraft sind die Ursachen, welche die be¬ zügliche Idee aufrecht erhalten, unter ihnen als wichtigste das Selbstver¬ trauen. „ Der Einflufs einer Tendenz auf die zur Ausführung nothwendige Be¬ wegung hängt von mehreren Bedingungen ab : 1. von ihrer eigenen Energie, 2. von der nervösen Irritabilität der Person, 3. von der Masse der Muskeln des betreffenden Menschen, 4. von der mehr oder weniger vollständigen Disposition der Knochen, Sehnen u. s. w. Die Tendenz macht die ent¬ sprechende Vorstellung beharren und facht berührende Vorstellungen an. Ihr Einflufs in dieser Beziehung hängt ab: 1. von ihrer eigenen Kiaft, 2. von der Abwesenheit entgegengesetzter Tendenzen, 3. von der Gewohn¬ heit berührende Vorstellungen zu erzeugen. Der Wille hat keinen direkten Einflufs auf Lust und Unlust, auf Empfindung und Wunsch, aber einen indirekten, indem er die äufseren physischen Bedingungen der Empfindung nähert oder entfernt, und indem er angenehme und unangenehme Vor¬ stellungen sucht und meidet. Giesslek (Erfurt). William M. Bowack. Observations on Method in Moral Science. Edinburgh, James Thin, 1900. 103 S. # Der Verf. giebt in zehn lose aneinander gereihten Kapiteln Vorschläge und Anregungen zur Verbesserung der Untersuchungsmethoden in der Philosophie. Nach Bowack hat die Philosophie ihren Zusammenhang mit dem Leben verloren, und in ihr herrscht die gröfste Zerfahrenheit. Nicht einmal die wichtigsten Grundbegriffe derselben sind klar und sicher est- gelegt. Die Ursache hievon ist die, dafs jeder Denker unter dem gleic en Ausdrucke einen ganz verschiedenen Gedanken meint, dafs es den Grün begriffen an Genauigkeit und Bestimmtheit mangelt im Gegensätze zu den Naturwissenschaften, die mit genau umschriebenen, feststehenden Begn en arbeiten. Baleour hat zur Abhülfe einen Congrefs der Vertreter aller Geisteswissenschaften vorgeschlagen, der die gebräuchlichen technischen Begriffe in diesen Wissenschaften authentisch interpretiren soll (Gap. I). Der Verf. verspricht sich noch mehr Erfolg von der Einführung einer eigenen Kunstsprache, ähnlich den chemischen Formeln, fur derlei tech¬ nische Begriffe, welche Formeln dann in allen streng wissenschaftlichen Abhandlungen einheitlich zur Anwendung zu kommen hätten. Durch derlei Formeln würde sich nicht nur unabhängig von dem Wortausdrucke, we c e der betreffende Begriff in den verschiedenen Sprachen findet, eine grofsere