286 Literaturbericht. dickflüssigeren Medien wie Glycerin, Milch etc. Des Weiteren hat Verf. sich bemüht, mittelst seines „Wassertelephons“ den Einflufs von Mem¬ branen und anderen dem Ohre nachgebildeten Vorrichtungen auf die Schall¬ phänomene im Wasser zu untersuchen. Er versah die Oeffnungen des Wassertelephons mit Membranen oder festen Verschlüssen, spannte auch eine dem Trommelfell entsprechende Membran über den Schalltrichter und brachte eine „Columella“ an. Die Resultate waren die folgenden : Der Schall wird besser aufgenommen, wenn das Wasser durch zwei Löcher mit der Luft in Verbindung steht, als wenn nur eines vorhanden ist. Ein Ab- schlufs der Löcher durch Membranen verbessert die Schallübertragung nicht. Die das Trommelfell vertretende Membran verstärkt die Schall¬ leitung, während die Columella die gegentheilige Wirkung hat. Ist durch Versperren eines Loches bei gleichzeitiger Einsetzung einer Columella in das andere ein Ausweichen des Wassers verhindert, so wird dadurch die Schallübertragung nicht beeinträchtigt. Verf. hebt selbst hervor, dafs diese Versuchsergebnisse zunächst nur für seinen Apparat Gültigkeit haben, weist jedoch unter anderem auf das besondere Interesse hin, das die Experimente mit dem Verschlufs der einen, dem runden Fenster ent¬ sprechenden, Oeffnung verdienen. Schaefer (Gr.-Lichterfelde). R. Dreyfuss. Experimenteller Beitrag zur Lehre von den nicht-akustischen Functionen des Ohrlabyrinths. Pflüger1 s Archiv f. d. yen. Physiologie 81, 604—635. 1900. Verf. benutzte als Versuchsthiere nur Meerschweinchen. Er beschreibt zunächst das bekannte Verhalten der normalen Thiere auf der Drehscheibe sowie die Operationsmethoden, mittelst welcher er sowohl einseitig als auch doppelseitig totale Zerstörungen des Vorhof-Bogengangapparates aus¬ führte. Das einseitig labyrinthlose Meerschweinchen zeigt gleich nach der Operation einen Kopf- und Augennystagmus, der nach der gesunden Seite „schlägt“, ferner eine Concavität des Rumpfes nach der verletzten Seite und eine Uhrzeigerdrehung in derselben Richtung, die in Rollungen aus¬ arten kann. Ein solches Thier kann sich überhaupt nicht nach der ge¬ sunden Seite drehen oder wenden. Vach 6 bis 24 Stunden (zweites Stadium) gehen diese Erscheinungen bis auf ein Schiefhalten des Kopfes und die Unmöglichkeit scharfer Wendungen nach der gesunden Seite zurück und das nach der gesunden Seite rotirte Thier verhält sich einem normalen entsprechend, während bei einer Drehung nach der labyrinthlosen Seite die compensirende Rumpfbiegung fortfällt. Das dritte Stadium, das der dauernd bleibenden Ausfallserscheinungen, ist nur noch graduell, nicht qualitativ vom zweiten verschieden. Zerstört man einem einseitig labyrinthlosen Meerschweinchen auch noch das andere Labyrinth, so hören alle gerade bestehenden Zwangs¬ haltungen sofort auf und aufserdem stellt sich eine allgemeine Erschlaffung der Körpermuskulatur ein, die so hochgradig ist, dafs die Thiere durch Athemnoth und Unfähigkeit zu fressen zu Grunde gehen. Jegliche Dreh¬ schwindelerscheinung und -empfindung fehlt. Verf. folgert aus seinen Beobachtungen, „dafs bei Rotation in einer bestimmten Richtung das Labyrinth der mit der Richtung ungleichnamigen