264 Besprechungen. den Geisteswissenschaften, welche einmalige Ereignisse behandeln, scheidet und die Psychologie der ersten Gruppe zuweist. Zugleich wirken in den nun folgenden Erörterungen über die erkenntnifstheoretischen Grundlagen der Psychologie Ideengänge AvENAKius’scher Richtung mit. Die reine ursprüngliche Erfahrung kennt nicht die Scheidung zwischen Ding und Vorstellung, sondern nur einheitliche, gegenwärtige oder ab¬ wesende, vergangene oder zukünftige Dinge, die dem Ich als Bethätigungs- objecte gegeben sind ; das Ich, das ihnen gegenübersteht, ist nicht das vor¬ stellende, sondern das „Stellung nehmende“. „Im Vorziehen und Ablehnen, im Lieben und Hassen, im Gebrauchen und Meiden, im Bewundern und Verabscheuen, im Zustreben und Auf geben, im Beachten und Ab wenden, kurz in den unendlich mannigfach nuancirten Entscheidungen des Wollens und Nichtwollens als freien Acten schafft das Ich sich Realität; wer aber Vorgefundene Muskelempfindungen, Organgefühle und Aehnliches dafür einsetzt, der mag auf dem richtigen Wege sein, im Dienste der Psycho¬ logie eine mittelbare Beschreibung des objectivirten Vorgangs zu gewinnen, aber von der nie beschreibbaren, sondern erlebbaren wirklichen Actualität des Ich ist dann kein Bruchtheil zurückgeblieben.“ (S. 57.) Zu den Lebensaufgaben des aetuellen Subjeetes gehört aber auch die objectivirende Erkenntnifs, d. h. ein Verfahren, durch welches die primäre Wirklichkeit des Objectes in gewisser Weise umgestaltet wird, bis es nicht mehr Object der activen Stellungnahme, sondern nur noch Object des Erfahrenwerdens für das Subject ist. So sind zwei Wissenschaftsgruppen aufzustellen, die sich nicht durch das Material, sondern durch die Behandlung des Objectes seitens des Subjeetes unterscheiden, „subjectivirende“ und „objectivirende“. Die Scheidung hat mit der von Physischem und Psychischem nichts zu thun. Die subjectivirenden Wissenschaften behandeln das Object, sofern es für das wollende Subject „gültig“ ist, d. h. Wert hat, die objectivirenden, sofern es andere Objecte vorbereitet, d. h. bestimmte analytisch feststell¬ bare Beschaffenheit hat. Erst innerhalb der letzten Gruppe kommt die Scheidung zwischen Physischem und Psychischem zu Stande, und zwar auf folgende Weise: Das stellungnehmende actuelle Subject ist aus¬ geschaltet, übrig bleibt nur, was das Ich als ihm Gegebenes „vorfindet“ ; aber ein Unterschied besteht noch darin, ob irgend etwas Vorgefundenes nur einem Ich oder vielen vorfindbar ist, jenes nennen wir psychisch, dieses physisch. „Nun ist aber alle Erkenntnifs der nothwendigen Zu¬ sammenhänge Aufweisung des Identischen, und alle Bearbeitung der Wissenschaften geht darauf aus, das Verschiedene so umzudenken, dafs es als ein theilweise Identisches betrachtet werden kann.“ (S. 82.) Da wir nun als physisch dasjenige aussondern, was an den Objecten identificirbar ist, so ergiebt sich, dafs die Möglichkeit einer wirklichen Zusammenhangs- erkenntnifs nur in Bezug auf die physische Natur besteht, dafs dagegen das Psychische der Rest ist, der bei jeder Identification, d. h. Causal- betrachtung übrig bleibt. Für das Psychische giebt es daher keinen directen Causalzusammenhang. Aber noch etwas Anderes ergiebt sich aus der obigen Definition des Psychischen; in seiner Sphäre hat der Wille keinen Platz. Denn der Wille als Realität ist That des Stellung nehmenden Subjects, von dem die objectivirende Psychologie ab-