134 Li fera turb er ich t. führt, wurde auch bereits seit langer Zeit angezweifelt. In seiner in¬ teressanten Ausführung schildert B. von objectivem Standpunkt aus die Controversen, die nach diesen beiden Gesichtspunkten hin sich an den „BELL’schen Lehrsatz“ knüpfen. Durch das Studium des einzigen erhaltenen Druckexemplares der BELL’schen Arbeit aus dem Jahre 1811 konnte der Yerf. feststellen, dafs Bell eigentlich den nach ihm genannten Lehrsatz absolut nicht aufstellte ; was er wirklich gefunden hatte, kann mit folgenden Worten wiedergegeben werden: „Die vorderen Bücken marks¬ wurzeln sind gemischt, motorisch und sensorisch, den hinteren aber stehen allgemeine vitale Functionen zu.“ Magendie näherte sich 11 Jahre später dem definitiven Wortlaute schon mehr, nachdem er festgestellt hatte, dafs die vorderen Eficken- markswurzeln vorwiegend motorische Functionen, die hinteren vorwiegend sensorische Functionen besitzen. Durch seine später erfolgte Entdeckung der sensibilité récurrente konnte er dann den Satz noch mehr präcisiren. Aus den Untersuchungen geht also mit Evidenz hervor, dafs Magendie thatsächlich das gröfsere Verdienst hat, Bell aber als erster die Aufmerksamkeit auf distincte Functionen der Wurzeln gerichtet hat und so die ganze wichtige Frage zuerst aufrollte. Uni beiden Autoren gerecht zu werden, schlägt Bickel vor, den Satz von jetzt ab unter dem Doppelnamen des „Magendie BELL’schen Gesetzes“ weiter¬ zuführen. Merzbacher (Strafsburg i. E.). W. Filehne. Zur Beeinflussung der Sinne, insbesondere des Farbensinnes, und der Reflexe durch Strychnin. Pflüger’s Arch. 83 (8u.9), 369—396. 1901. Die Arbeit giebt mehr als ihr Titel ankündigt: Ideen zur physio¬ logischen Wirkung des Strychnins überhaupt, und gewinnt dann besonders an Interesse, wenn man sie mit den Ausführungen Verworns vergleicht (Beferat in dieser Zeitschr. 26, 117). Was die Wirkung des Strychnins auf die peripherischen Endorgane betrifft, so hat Yerf. am Frosche als auch durch Selbstversuche bewiesen, dafs nicht nur keine Steigerung der Erregbarkeit, sondern sogar eine Ab¬ nahme derselben zu Stande kommt. Dieser Satz gilt für den Tast-, Ge¬ schmacks- und Geruchssinn. Beim Gesichtssinn complicirt sich die Frage. Auch bei einer resorp- tiven Wirkung mufs hier an eine directe Beeinflussung der Betina selbst, aufser einer solchen des Centralorganes, gedacht werden, da diese als hoch- complicirtes Organ mit aus Ganglienzellen besteht, für die bekanntlich die directe Beeinflussung durch Strychnin nachgewiesen ist. Thatsächlich konnte Yerf. nach Aufträufelung einiger Tropfen von Strychn. nitric, auf die Cornea eine nur für das betreffende Auge gültige excentrische Aus¬ dehnung des Gesichtsfeldes feststellen. Das strychnisirte Auge leistet — um von der allgemeinen Wirkung zu sprechen — in dem Sinne mehr, dafs es stärker erregbar wird, d. h. durch schwächere Beize stärker beeinflufst wird als das normale Auge. So z. B. wirkt ein allmählich einsetzender und andauernder Beiz andauernd so, wie im normalen Zustand ein plötzlich hereinbrechender (und eben da¬ durch stärkerer) Beiz nur vorübergehend wirken kann. Wofür aber