132 N. Losshj. Besitzer. Um zu entscheiden, ob eine Person eine gewisse Handlung aus Angst oder aus Mitleid vollzieht, mufs man diese Person mehrmals in verschiedenen entsprechenden Situationen gesehen haben, welche den Forderungen der inductiven Methode entsprechen. Das unmittelbare Gefühl der Activität fördert die Untersuchung nur insoweit als es uns vermuthen läfet, welche Paare von psychischen Erscheinungen causal verknüpft sind, eine Vermuthung, welche nachträglich mittels der gewöhn¬ lichen inductiven Methode zu controliren ist. Wäre das Gefühl der Activität nicht vorhanden, so käme jene Vermuthung über den Zusammenhang der Erscheinungen nicht zu Stande, die doch den Ausgangspunkt der inductiven Unternehmung bildet Nehmen wir folgendes Beispiel: Ich sitze in freier Natur in den Anblick einer schönen Gegend vertieft und lausche den Weisen einer Schalmei, die in der Feme ein Hirte bläst; das erinnert mich an das Spiel des Hirten im „Tannhäuser“; wenn ich nun gleich darauf bei der Wahrnehmung eines Rascheins im Grase die Emotion der Angst in meinem Bewufstsein vor¬ finde, so ist unerklärlich, wie ich aus einem complicirten Ganzen den Zusammenhang gerade dieses Paares der Erscheinungen ausscheiden könnte, wenn ich kein unmittelbares Gefühl ihres Zusammenhanges hätte. Diesen Erwägungen gemäfs mufs die Theorie des inductiven Schlusses über psychische Zusammenhänge verändert werden. Ja, die inductive Untersuchung der physischen Erscheinungen kann nicht grundverschieden sein von der der psychischen Pro¬ cess©, daher müssen wir auch die Frage erheben, ob wir nicht auch eine unmittelbare Wahrnehmung des causalen Zusammen¬ hanges von Erscheinungen der äufseren Welt unter sich be¬ sitzen. All© diese Fragen gehören jedoch ins Gebiet der Er- kenntnifslehre und bilden daher den Gegenstand einer besonderen Untersuchung, welche wir der Zukunft Vorbehalten. (Eingegangen am 19. Juli 1902.)