87 Eine Willenstheorie vom voluntaristischen Standpunkte. Von N. Los8ky. (Unter Mitwirkung von H. Haag übersetzt.) I. Vorläufige Definition des Voluntarismus. Der Voluntarismus ist diejenige Richtung in der Psychologie, welche behauptet, dafs alle Erscheinungen des Seelenlebens, die das individuelle Bewusstsein auf Grund des unmittelbaren Ge¬ fühls auf sein Ich bezieht, nach dem Muster der Willenshand¬ lungen verlaufen, dafs die Willenshandlungen typische Formen der Bewufstseinsprocesse sind. Mit anderen Worten: im Bereiche des Ich giebt es keine bleibenden Zustände, sondern nur ziel¬ strebende Handlungen. Dies ist die vorläufige Definition des Voluntarismus, welche seine Umrisse noch in unbestimmtem Lichte zeigt, da jeder der dabei verwandten Ausdrücke noch der näheren Erläuterung bedarf. Der Voluntarismus als eine streng empirische Richtung1 entnimmt seine psychologischen Begriffe der sorgfältigen Beob¬ achtung des reellen Inhalts des Seelenlebens, und jedem von ihnen entspricht eine Gruppe von Thatsachen, die sich in dem Bewufstsein eines jeden finden. Daher sehen wir uns für die Betrachtung des Voluntarismus genöthigt, von dem Inhalt der mitgebrachten Begriffe des Willens, der Willenshandlung, des Ich u. s. w. abzusehen und zu prüfen, welche Thatsachen man uns unter diesen Namen proponiri Unseren Ausgangspunkt werden dabei die Wahlhandlungen bilden. Sie bestehen aus höchst differenzirten Elementen und sind daher besonders ge¬ eignet für die Aufzählung der Thatsachen, welche die Willens¬ handlung bilden. 1 8. Wundt, Grundrifs der Psychologie. 3 AufL, S. 21.