233 Zur Theorie der Geräusckempfindungen. Von Max Meyer. Über Geräuschempfindungen ist schon soviel geschrieben worden, dafs eine weitere Diskussion dieses Gegenstandes über¬ flüssig scheint. Dennoch glaube ich im folgenden auf einige Tatsachen hinweisen zu können, die — wenigstens in diesem Zusammenhänge — von Psychologen bisher nicht genug ge¬ würdigt worden sind, und deren Nutzbarmachung für die psychologische Theorie der Geräuschempfindungen einen Fort¬ schritt bedeuten dürfte. Eine Theorie der Geräuschempfindungen hat vor allem die Frage zu erledigen: Ist ein Geräusch in irgend einer Weise eine Komposition von Tönen oder etwas von Tönen wesentlich Verschiedenes? Wir werden sehen, dafs es für die Erörterung dieser Frage aufserordentlich wichtig ist, zwischen objektiven Tönen, d. h. Sinusschwingungen, und subjektiven Tönen, d. h. Tonempfindungen, streng zu unter¬ scheiden. Nicht einmal Stumpe, der das Problem der Geräusch¬ empfindungen sorgfältiger als irgend ein anderer diskutiert hat, ist hierin immer streng genug gewesen. Die Resonatorenhypo¬ these, wronach das Ohr jede beliebige Luftwelle in eine Reihe von Sinusschwingungen auflöst, hat neben vielen anderen Irr- tümern auch diese Konfusion verschuldet. Wenn Sinusschwin¬ gungen und Tonempfindungen im strengsten Sinne parallel laufende Tatsachen wären, dann brauchte man freilich in theo¬ retischen Diskussionen zwischen ihnen nicht zu unterscheiden; es würde sich dann nur um die Substitution eines Namens handeln. Doch kann von einer solchen Parallelität nicht die Rede sein. Man kann Geräusche auf zwei Arten hervorbringen. Man kann sie objektiv aus musikalischen Klängen zusammensetzen; *die Luftwelle ist in diesem Falle zwar nicht notwendigerweise Zeitschrift für Psychologie 31. t5*