Zur Lageschätzung bei seitlichen Kopfneigungen. 149 der jAMEs-KBEiDLschen Feststellungen am ehesten einen Fort¬ fall der Täuschung erwarten, wenn man überhaupt eine labyrinthäre Auslösung derselben zugeben will. Ich hoffte auch, so einen weiteren entscheidenden Beweis zu erlangen, dafs die Gegenrollungen als solche ätiologisch nicht in Betracht kommen. Es stellte sich aber heraus, dafs unter 60 Schülern, die ich in Gemeinschaft mit Herrn Professor Nagel in der hiesigen königl. Taubstummenanstalt unter gütiger Unterstützung des Herrn Direktor Schulrat Walter untersuchte, alle reflektorische Gegen¬ rollungen hatten. Ich wählte daher solche aus, die unter der Gesamtzahl der Zöglinge durch ihren schlürfenden Gang auf¬ fielen. Diese zeigten gleichzeitig das KREiDLsche Phänomen. Ich habe 7 Knaben im Alter von 9 bis 14 Jahren geprüft, wobei mir Herr Taubstummenlehrer Mahner freundlichst zur Seite stand. Zwei Brüder und ein dritter sind taub geboren; einer, 12 jährig, vor 3 Jahren nach Scharlach (Otitis media) er¬ taubt, 3 nach Krämpfen in den ersten Lebensjahren, 1 Ursache unbekannt. Die Kinder sind intelligent und machen zuverlässige Angaben. Alle lokalisierten die Lichtlinie im Hellen richtig, selbst bei stärksten Kopfneigungen. Im Dunklen trat bei allen die Täuschung im AuBERTschen Sinne auf ; sie wurde bald bei nach rechts, bald bei nach links gedrehtem Kopfe durch Auf blitz versuche festgestellt. Ich gebe keine Zahlen an, da ich den Grad der Kopfdrehung nicht genau festgestellt habe und betone nur, dafs die Täuschung weder stärker noch geringer war als bei dem Durchschnitt der Normalen. Bei den, doch er¬ heblichen, zeitlichen und individuellen Schwankungen, die das Phänomen an sich zeigt, würden kleine Differenzen auch gar nichts beweisen. Nur bei einem Knaben war die Täuschung auffallend stark, ungefähr: Kopfneigung Täuschung (in Grad) (in Grad) 20 0 30 15 50 25 70 35 90 45 100 45 120 60 Wenn man einer solchen Einzelbeobachtung überhaupt Be¬ deutung beimessen will, so könnte man aus derselben den Schlufs