127 (Aus der physikalischen Abtheilung des Physiologischen Instituts der Universität zu Berlin.) Zur Lageschätzung bei seitlichen Kopfneigungen. Von Dr. Hugo Feilcheneeld in Berlin. Die Untersuchungen über die Gr öfs en Schätzung des: ruhenden Auges 1 führen zu der weiteren Frage, welche Fähig¬ keit das Ruheauge für die Richtungs- oder L a g e Schätzung besitzt. Auch hier wird uns der Lösung des Problems im wesentlichen nur das Studium der optischen Täuschungen näher führen können. Doch bedarf es, um die Funktion der „Bewegungsempfindungen“ möglichst klar und eindeutig gegen die der Sehfeldschätzung abzugrenzen, noch mehr als bei dem Gröfsenvergleich der Ausschliefsung des dritten, überall kom¬ plizierend auftretenden Momentes, der Erfahrung; denn diese beseitigt eben jeden, durch die Zusammensetzung des per- zipierenden Apparates bedingten, Zwiespalt zwischen dem Seh¬ raum und dem Tastraum, indem sie das Zeichensystem des ersteren mit den Verhältnissen des letzteren in Einklang bringt. So kommt es, dafs wir uns über die Lage solcher Objekte im allgemeinen nicht täuschen, die sich in einer Umgebung be¬ finden, welche von anderen, der Lage nach bekannten, Objekten angefüllt ist. Als Vorbedingung des Versuchs erscheint demnach der Ausschlufs aller Erfahrungsmotive notwendig, wie er in dem absoluten Dunkelraum gegeben ist. Das einfachste Beobachtungsobjekt ist eine gleichmäfsige, schwach glühende Lichtlinie, die eben wahrgenommen werden kann, aber den Raum noch nicht bis zur Sichtbarkeit erhellt. Dann ist, sowohl was das Objekt selbst als dessen Umgebung betrifft, jeder Ein- 1 Feilchenfeld : Gröfsenschätzimg im Sehfeld. Gräfes Arch. f. Qphth. 53,3.