Blickrichtung und Gröfsenschätzung. 335 Auf Veranlassung des Herrn Professor Nagel, dem ich auch an dieser Stelle meinen Dank dafür, wie für das Interesse, das er an der vorliegenden Arbeit nahm, ausspreche, unternahm ich es im S./'S. 1902, zu versuchen, ob unter geeignet gewählten Bedingungen sich nicht auch messende Versuche anstellen liefsen, die eine Entscheidung über die Gültigkeit der von Zoth ver¬ tretenen Anschauung gestatteten. Es gelang dies in der Tat, wie im folgenden beschrieben, vollkommen, ohne dafs sich die Entfernungstäuschung störend einschob. Das Endergebnis der Versuche fiel, wie hier gleich vorgreifend erwähnt werden möge, durchaus im Sinne Zoths aus. Ich wählte zuerst, dem Beispiel früherer Experimentatoren folgend, die Distanzen von Linienpaaren. Von vornherein ver¬ zichtete ich auf gröfsere Entfernungen derselben vom Auge, und brachte sie im Gegenteil in deutlicher Sehweite an, damit man gewissermafsen „auf den ersten Blick“ sich überzeugen konnte, dafs beide Objekte gleich weit vom Auge entfernt waren. Dafür erschien das Perimeter aufserordentlich geeignet, dessen Halb¬ kreis das betrachtende Auge umgibt und so geradezu zwingend jede etwaige Entfernungstäuschung ausschliefst. Als Grad der Blickhebung wählte ich 40 °. Diese Bewegung ist für mein emmetropes Auge wenn auch nicht mehr ganz bequem, so doch ohne gröfsere Anstrengung möglich. Ich habe davon ab¬ gesehen, bei meinen Versuchen die oberen Objekte noch höher zu befestigen. Denn bei jeder nur etwas stärkeren Hebung des Blickes folgt unwillkürlich der Kopf nach und ein Teil der Blickhebung wird durch Kopfhebung ersetzt. Nur so ist es ja überhaupt zu erklären, wenn die Versuchspersonen anderer Autoren Objekte fixierten, die 90° über ihrer geraden Blickrichtung lagen. Dadurch wird natürlich jede Angabe über die Gröfse der Blick¬ hebung unmöglich. Eine Fixierung des bei 90° gesehenen Objektes kann sich ebensowohl aus einer Kopfhebung von 700 -J- Blickhebung von 200 zusammensetzen, wie z. B. aus einer Kopfhebung von 400 -{- 500 Blickhebung ! [Ich will übrigens hier erwähnen, dafs die Möglichkeit der Blickhebung individuell aufserordentlich verschieden ist : z. B. konnte Helmholtz 1 un¬ gefähr 450 aufwärts sehen, Aubert nur 30 °, Hering sogar nur 1 Helmholtz: Physiol. Optik. 2. AufL S. 615.