259 Über eine einfache Methode zur Untersuchung der Merkfähigkeit resp. des Gedächtnisses bei Geisteskranken, Von Dr. Alexander Bernstein, Priv.-Doz. f. Psychiatrie in Moskau. In der letzten Zeit tritt immer mehr in der klinischen Psychiatrie das Bedürfnis — und auch die Bestrebung — zu Tage, die subjektive erklärende Analyse des psychischen Status der Geisteskranken durch eine objektiv konstatierende, womög¬ lich messende Untersuchung zu ersetzen. Die Sache wäre sehr einfach, wenn wir, um diesem Ziele nahe zu kommen, das genaue psychologische Experiment in vollem Umfange in die Klinik übertragen könnten, was augenblicklich leider kaum möglich ist. Einerseits ist die experimentelle Methodik bis jetzt zu sehr an komplizierte Apparate gebunden und bedarf das Ex¬ perimentieren eines völligen Verständnisses und Einverständ¬ nisses der Versuchspersonen; andererseits aber eignen sich Laboratorienversuche, welche allgemeinpsychologische Zwecke verfolgen, nur wenig zur Aufklärung des individuellen psychi¬ schen Verhaltens in praxi. Ebenso wie das physiologische Ex¬ periment nicht ohne weiteres zur klinischen Untersuchung eines inneren Kranken verwertet werden kann, und die Untersuchung am Krankenbette ihre eigene Methodik ausgearbeitet hat, welche vielmehr symbolische als reelle Symptome auszulösen vermag und nur auf Umwegen zur Deutung des tatsächlichen Bar¬ bestandes dienen kann, — so bedarf auch die psychiatrische Klinik solcher Untersuchungsmethoden, welche einerseits ein¬ fach, leicht durchführbar und praktisch sind, andererseits aber einzelne psychische Funktionen in vergleichbarer Weise dar-